Follow Friday – Dosenkunst

Zum heutigen Follow Friday gibt es mit Dosenkunst einen Blog, der sich ganz der dokumentarischen Streetart-Fotografie widmet und seit vielen Jahren meine Wohlfühl-Destination im Netz ist.

Hinter dem Blog steht Jörg Rudolph, der seit über zwei Jahrzehnten Graffiti und Urban Art fotografiert, nicht als aktiver Teil der Szene, sondern als stiller Beobachter mit Kamera. Seine ersten Berührungspunkte hatte er im Rahmen von Jugendkultur-Projekten in seiner Heimat, wo er begann, legale Sprayaktionen zu begleiten und festzuhalten. Daraus entwickelte sich ein fotografisches Langzeitprojekt, das 2010 in den Blog mündete, der mittlerweile weit über 1000 Beiträge umfasst.

Jörg versteht sich nicht als Künstler, sondern als Chronist. Sein Blick auf die urbane Kunst ist geprägt von Respekt, Neugier und einem ausgeprägten Sinn für Komposition. Die Bilder entstehen meist an legalen Spots im Rhein-Main-Gebiet, zum Beispiel am Ratswegkreisel in Frankfurt, an der Lincoln Wall in Darmstadt, an der Naxoshalle oder am Brückenkopf in Mainz-Kastel, oft auch im Schlachthof Wiesbaden oder in Bad Vilbel. Doch der Blick geht auch über Deutschland hinaus. Reisen nach Vietnam, Kolumbien oder in die USA haben ebenfalls Spuren im Blog hinterlassen, in Form von Bilderserien, kurzen Reportagen und Interviews mit Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt.

Was den Blog besonders macht, ist seine Konsequenz. Während sich viele Fotoseiten in kurzlebigen Trends verlieren, verfolgt dosenkunst.de eine klare Linie. Dokumentation statt Effekt, Kontext statt Clickbait.

Neben den Bilderserien liefert der Blog auch fundierte Informationen. Besonders hilfreich ist die Rubrik „Graffiti Map“, in der Jörg eine umfangreiche Übersicht legaler Spots im Rhein-Main-Gebiet zusammengetragen hat, inklusive Hintergrundwissen zu Geschichte, Zugänglichkeit und Nutzung. Auch Reportagen von Events wie dem „Meeting of Styles“, „Das dreckige Dutzend“ oder der IBUG-Festivalreihe sind Teil des Archivs. Dabei geht es ihm nie um Selbstdarstellung, sondern darum, Kunst im öffentlichen Raum sichtbar zu machen und festzuhalten, gerade auch für Menschen, die vielleicht keinen direkten Zugang zur Szene haben.

Der Blog ist ein Hobby im besten Sinne, mit Hingabe, Ausdauer und einem sehr guten Auge geführt. Wer sich ernsthaft für Streetart, Graffiti und urbane Fotografie interessiert, kommt an Dosenkunst nicht vorbei.

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