Die digitale Bibliothek von Alexandria

Man kann Bücher retten und sie gleichzeitig vernichten.

Angeblich kaufen US-Firmen europäische Antiquariate leer, scannen die Bücher ein und werfen sie danach in die Tonne. Nicht, damit die Menschheit kostenlos auf dieses Wissen zugreifen kann. Nicht, damit irgendwo ne riesige digitale Bibliothek für alle entsteht. Sondern damit ein paar Techbuden ihre KI damit füttern können.

Natürlich waren viele dieser Bücher Ladenhüter. Jahrelang kaufte sie kaum jemand. Aber ein Buch, das niemand kauft, ist trotzdem noch ein Buch. Es kann irgendwann jemand finden, lesen und vielleicht etwas daraus lernen.

Ein digitales Abbild in einer geschlossenen Datenbank ist dagegen nur so lange vorhanden, wie jemand daran verdient. Wird der Dienst eingestellt, die Firma verkauft oder das Geschäftsmodell geändert, kann das Wissen genauso schnell verschwinden, wie es aufgetaucht ist.

Und vielleicht sitzen wir irgendwann in 100 Jahren da und fragen uns, was aus all diesen Büchern wurde. Die Antwort könnte ernüchternd sein. Von all dem Wissen, das einmal existierte, bleibt am Ende vielleicht genauso viel übrig wie von vielen Schriften der Bibliothek von Alexandria. Nichts.

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