Ich hab mich irgendwann, mehr oder weniger unbewusst, immer stärker damit beschäftigt, welche Marken ich eigentlich kaufe, was sie repräsentieren und wer dahintersteckt. Früher war eher die Frage entscheidend, ob etwas geil schmeckt. Was ich mit meinen ohnehin schon wenigen Groschen darüber hinaus unterstütze, war mir ziemlich egal. Ich würde mich deshalb auch heute definitiv nicht als Fanatiker bezeichnen, aber als deutlich bewussteren Menschen schon.
Macht ja auch irgendwie wenig Sinn, mit ner Müller Milch Pulle in der Hand auf ner Anti AfD Demo herumzulaufen, während Theo Müller auf der anderen Seite mit meiner Kohle fleißig weiter Selfies mit Alice Weidel macht und seine Millionen in ihre Partei pumpt.
Ist bei zb. Nestlé und Danone ähnlich. Konzerne, die seit gefühlt immer nen riesigen Rattenschwanz an Skandalen hinter sich herziehen, muss ich meine Moneten sicher nicht in den Rachen stopfen.
Klar, kann jetzt wer sagen, dass ich trotzdem noch andere Bereiche unterstütze, bei denen einiges im Argen liegt. Klamotten zum Beispiel. Jo, tue ich. Ich bin arm, kauf entsprechend wenig und wenn ich was brauche, dann ist es logischerweise günstige Kleidung. Ist für mich aber kein Grund, deshalb gleich komplett auf alles zu scheißen. Ich kann nicht alles richtig machen, aber ich kann versuchen, dort bewusster zu handeln, wo es mir möglich ist. Und wenigstens etwas tun fühlt sich in meinem Herzen und meiner Birne noch immer sinnvoller an, als gar nichts zu tun, nur weil es nicht perfekt geht.
Rückblickend brachte mich genau dieses Bewusstsein mit den Jahren immer stärker dazu, mich intensiver mit dem zu beschäftigen, was eigentlich so in den Produkten steckt. Besonders seit ich keine Tierleichen mehr esse. Klar hab ich anfangs jede Menge vegane Ersatzprodukte gekauft. Wenn man plötzlich beginnt, bei jedem Produkt zu gucken, was da eigentlich drinsteckt und wer den Bums fabriziert, kommt man irgendwann automatisch auf die Idee, den einen oder anderen Kram einfach mal selbst zu machen.
Am Anfang war das natürlich alles andere als ne kulinarische Offenbarung. Ich hab mir so einiges Unessbares hinter die Kiemen geschaufelt, weil Wegwerfen nicht infrage kommt. Was einmal gekauft und verbockt wurde, wird gefälligst auch aufgegessen. Manche Experimente waren entsprechend eher Charakter statt Geschmacksprobe.
Mittlerweile sieht das zum Glück etwas anders aus. Ich back mein Brot, mache meine Brotaufstriche selbst, Leberwurst aus Kidneybohnen, Frischkäse aus Cashews in sämtlichen Geschmacksrichtungen, Pesto sowieso und koche frische vegane Sachen, statt für jeden Mist irgendnen Fertigprodukt ausm Kühlregal zu angeln. Das entwickelte sich irgendwann einfach und nebenbei habe ich ziemlich viel über Zutaten gelernt und wie ich mir mein Zeug selbst zusammenbaue.
Und genau das ist inzwischen auch der praktische Vorteil beim Boykottieren gewisser Konzerne. Ich muss nicht mehr bei jedem Einkauf erstmal ne Runde Konzern Memory spielen und rausfinden, wem die oder die Marke gehört. Zur Unternehmensgruppe Theo Müller gehören inzwischen neben Müller selbst dermaßen viele Marken… Weihenstephan, Sachsenmilch, Landliebe, Elinas, Lünebest, Biotiful Gut Health, Almhof, die Käsebude Loose, Harzbube, Bönsel, Berief, Homann, Nadler, Hamker, Weser Feinkost und säckeweise mehr. Und weil das offenbar noch immer nicht genug Versteckspiel ist, produziert der Fascho-Supporter-Schuppen natürlich auch für Handelsmarken verschiedener Supermärkte.
Krass lustig wird es bei Berief. Ausgerechnet ein komplett pflanzlicher Hersteller gehört inzwischen auch zum Müller Konzern. Lass das ja nicht die Blauzis hören.. Als Veganer denkt man erstmal, was hab ich mit ner Milchbude am Hut, ich konsumiere ja nix davon, aber man kann halt mittlerweile theoretisch eine vegane Marke kaufen und den braunen Theo trotzdem mit Geld bewerfen.
Ein paar fertige Sachen kaufe ich natürlich trotzdem. Hafermilch zum Beispiel oder meine Lieblings vegane Salami. Ganz ohne Fertigzeug geht es dann doch nicht. Bei solchen Sachen weiß ich aber mittlerweile einfach, von wem sie kommen.
Das ist für mich inzwischen der angenehmste Teil daran. Diese Konzerne können sich von mir aus gegenseitig aufkaufen, bis am Ende nur noch 3 Firmen den gesamten Supermarkt besitzen. Ich kaufe dann eben Haferflocken, Mehl, Tofu, Soja, Bohnen, Gemüse, Cashews und den anderen Grundkram und mache mir meinen Scheiß selbst. Wenn die irgendwann auch noch versuchen, mir meine heissgeliebten Kidneybohnen als Konzernmarke unterzujubeln, wird es allerdings langsam persönlich.
Früher da hab ich mir über sowas ehrlich gesagt keine Gedanken gemacht. Man hat halt gelebt, eingekauft und gegessen wie mann‘s von klein auf kannte. Wo die Sachen herkommen, wer die macht und was da alles dahinter steckt, darüber hab ich mir jedenfalls keine Gedanken gemacht. In der DDR schon gar nicht, da war man oft froh, überhaupt etwas zu haben. Aber die Zeiten sind glücklicherweise lange vorbei. War halt einfach so. Klar finde ich es gut wenn Menschen heute bewusster leben können und sich über solche Sachen Gedanken machen. Aber weißt du was mir an deinem Text gefällt? Dass du keinem vorschreiben willst wie er zu leben hat. Du erzählst einfach wie du‘s selber machst und was dich dazu gebracht hat. Das find ich viel angenehmer als wenn einem ständig einer erklärt was man schon wieder alles falsch macht. Was mir in der heutigen Zeit manchmal fehlt, gerade auf Instagram, ist ein bisschen weniger dieses Schwarz-Weiß-Denke. Die Veganer oder Vegetarier hauen auf die Fleischesser drauf, die anderen machen sich über Veganer lustig und am Ende wird sich nur gegenseitig beschimpft. Muss doch nicht sein. Jeder kann doch erstmal bei sich selber anfangen und schauen ob und was er verändern möchte. Und wer weiß, vielleicht denk ich über das ein oder andere ja auch nochmal nach. Man lernt ja auch mit fast 70 noch dazu.
Danke dir. Grad der DDR Aspekt ist interessant, weil es natürlich ganz andere Voraussetzungen waren. Ich bin zwar alt, aber halt doch noch zu jung um mich da wirklich dran zu erinnern.
Ich wünsche dir alles Liebe, aber das weißt du ja. Peace.
Ja, ist am Anfang gar nicht so einfach aber irgendwann wuppt man das dann doch. Aber einfach mal was aus dem Regal ziehen ist halt bequemer. Wir versuchen auch, unseren Kram so gut es geht selbst herzustellen. Aber die Sache mit der Leberwurst aus Kidneybohnen klingt gut, da muss ich die Tage wohl auch mal ran…
Solltest du ein Rezept zur groben Orientierung brauchen, schick mir gern ne Mail.