3 Epochen Knipserei gefunden

Beim Ausmisten fielen uns heute 3 kleine Zeitkapseln in die Hände. Drei Kameras, die eigentlich kaum unterschiedlicher sein könnten und trotzdem alle denselben Zweck hatten. Momente festhalten, die man später vermutlich entweder mit einem „ach kiek mal, damals“ oder einem „Bruder, warum existiert dieses Foto überhaupt?“ kommentiert.
Alle 3 Geräte decken ziemlich schön drei Epochen der Alltagsfotografie ab. Analoge Knipserei, Sofortbilder und die digitale Zeit kurz bevor Smartphones gefühlt alles übernahmenen.

Den Anfang macht eine Exakta BF Focus Free. Viel wissen wir über dieses kleine Ding tatsächlich nicht mehr. Auf der Kamera steht Glass Lens, f/3.5 und 34mm, was schon ziemlich viel über die Zielgruppe verrät. Keine Kunstfotografie, keine großen Experimente, sondern einfach draufhalten und hoffen, dass hinten irgendwas halbwegs brauchbares rauskommt. Meiner Netz-Recherche nach, kam sie ungefähr zum Mauerfall auf den Mark. Mit ihrer festen Schärfeeinstellung Focus Free musste man sich um Autofokus oder komplizierten Einstellungen keine Gedanken machen. Einlegen, auslösen, fertig. Preislich lag sie damals irgendwo im Bereich von etwa 50 bis 100 DMark. Was diese Kamera erlebt hat, wo sie unterwegs war und welche Motive sie verewigt hat, bleibt leider im Nebel der Geschichte. Vielleicht hat sie ja damals große Momente festgehalten. Vielleicht auch nur verschwommene Katzen, Geburtstagskuchen und Leute mit Vokuhila. Wir werden es nie erfahren.

Deutlich spannender finde ich die Polaroid Vision. Sie wurde offenbar von 1993 bis 1997 gebaut und lag damals mit rund 269 D-Mark preislich schon in einer ganz anderen Liga. Mein Schwiegervater (Rest in Peace) hat sich das gute Stück damals im Quelle oder Otto-Katalog bestellt, also in einer Zeit, in der man Kameras noch zwischen Staubsaugern, Schlüpper und Sofas aussuchte. Die Polaroid Vision war eine Sofortbild-SLR mit integriertem Autofokus und eingebautem Blitz. Eine einfache Belichtungsautomatik regelte Blende und Verschlusszeit selbstständig, sodass im Alltag im Grunde nur noch Fokus und Auslösen blieben. Foto machen, kurz warten, und wenige Augenblicke später hielt man das Ergebnis direkt in der Hand. Klassisches Polaroid-Prinzip mit chemischer Entwicklung im Kamerarückteil, ganz ohne Display, Speicherkarte oder Cloud-Backup.
Technisch arbeitete sie mit dem Polaroid Vision/500-Sofortbildsystem mit einer Bildfläche von etwa 7,3 × 5,5 cm. Verbaut war eine feste Optik mit rund 107 mm Brennweite und einer eher lichtschwachen Blende um f/12, ausgelegt auf unkomplizierte Schnappschüsse statt kreative Spielereien. Der Autofokus arbeitete aktiv über ein Infrarot-Messsystem, das die Entfernung ermittelte und die Schärfe intern nachführte. Der Blitz war automatisch zuschaltbar und für typische Innenraum und Nahaufnahmen gedacht, bei weiten Distanzen oder Gegenlicht blieb aber auch hier nur das Hoffen auf ein gutes Ergebnis. Genau diese Technik sorgt bis heute für die typischen Eigenschaften. Leichte Farbverschiebungen, weiche Kontraste und sichtbare Körnung.

Und dann wäre da noch die Kodak EasyShare C913. Willkommen im Jahr 2008, als Megapixel noch ein ernst gemeinter Maßstab waren und eine 9-Megapixel-Kamera als fortschrittlich galt. Heute würde jedes Smartphone darüber vermutlich nur müde lächeln, damals war das eine typische günstige Digitalkamera für den Alltag. Sie kostete 99,95 Euro und war darauf ausgelegt, einfach zu funktionieren. Einschalten, fotografieren, fertig. Mit ihrem CCD-Sensor, internem Speicher und SD-Karten-Slot deckte sie genau das ab, was später komplett ins Smartphone wanderte. Urlaub, Geburtstage und alles dazwischen, was man irgendwie festhalten wollte.
Diese Kodak war aber nicht einfach irgendeine Kamera, sondern damals der treue Begleiter meiner besseren Hälfte während ihrer Partyzeit und hat sie und ihre beste Freundin wohl eine Million Mal in den verschiedensten Posen und Zuständen verewigt...;-)
Die Kodak werde ich demnächst auf jeden Fall mal wieder zum Leben erwecken und ausprobieren. Mal gucken, was der kleine digitale Zeitzeuge nach all den Jahren noch produziert. Ein paar Bilder werde ich dann vermutlich hier teilen.
Bei der Polaroid kann ich mir das Experiment dagegen wohl abschminken, außer ich beschließe spontan, eine Niere zu verhökern. Die passenden Filme sind mittlerweile ungefähr in einer Preisklasse angekommen, bei der ich mir zweimal überlege, ob ich wirklich ein paar Sofortbilder machen möchte oder lieber doch die Miete zahle.
Und bei der Exakta muss ich erstmal schauen, wie die aktuelle Lage bei Film und Entwicklung aussieht. Als ich das letzte Mal mit analogen Filmen hantierte, hatte ich jedenfalls noch Haare auf dem Kopf. Ist also schon ein kleines Weilchen her.