Piehnat

Ein Blog. Wie früher. Nur heute.

YunoHost - Der sanfte Einstieg ins Selfhosting

Vor einiger Zeit fragte mich jemand, der mit Technik ungefähr so viel am Hut hat wie ich mit Steuererklärungen, ob man eigentlich aus iCloud, Google Drive und dem ganzen Cloud-Universum aussteigen könne, ohne dafür direkt ein Informatikstudium zu beginnen. Er wollte Selfhosting einfach mal ausprobieren, ohne sich gleich Hardware wie eine NAS zu kaufen. Die Idee war stattdessen ein sogenannter VPS, also eine gemietete kleine Maschine in einem Rechenzentrum, auf der man einfach mal testen kann, ob das Ganze überhaupt etwas für einen ist.

Die Frage beschäftigte mich dann doch länger als gedacht, weil genau dort das eigentliche Problem liegt. Nicht am Interesse, sondern daran, überhaupt sinnvoll anzufangen. Die meisten Selfhosting-Anleitungen starten gefühlt ungefähr dort, wo andere Tutorials enden. Git, Docker, Reverse Proxy, SSL-Zertifikaten und der leisen Erwartung, dass du bitte schon weißt, was das überhaupt alles ist und was du tust.

Also dachte ich mir, versetz dich mal in die Lage einer Person, die von all dem keinen Plan aber trotzdem die Schnauze voll von Abos bei Tech-Faschos hat.

Warum YunoHost?

Bei der Suche nach einem möglichst einsteigerfreundlichen Ansatz stieß ich ziemlich schnell auf YunoHost, sah mir das näher an und je mehr ich darüber las, desto sinnvoller klang es als Einstieg.

Der YunoHost Ansatz ist, Selfhosting zu vereinfachen und Anwendungen direkt über eine Oberfläche installierbar zu machen. Genau das macht es für Einsteiger interessant. Man muss nicht erst alles von Hand zusammenbauen, bevor überhaupt etwas läuft.

Der erste VPS-Test

Einen 8GB RAM VPS hatte ich schon, also Debian installiert und darauf YunoHost. Und ja, das ging überraschend schnell. Statt erst Webserver, Datenbank und Nutzerrechte manuell zusammenzubauen, bekommt man eine Oberfläche, in der man Anwendungen einfach auswählt und installiert.

Beispiel: Du suchst „Nextcloud“, klickst drauf, fertig. Kein erst PHP konfigurieren, dann hoffen, dass nichts explodiert.

Es nimmt dir nicht die komplette Kontrolle weg, aber es reduziert die Einstiegshürde massiv. Du kommst schneller zu dem Punkt, an dem überhaupt etwas läuft, statt erstmal drei Abende damit zu verbringen, warum irgendein Dienst nicht startet.

Was dabei trotzdem nervt

Natürlich ist das nicht alles Magie. Einsteigerfreundlich heißt hier eher, du musst wesentlich weniger konfigurieren als sonst. Updates laufen nicht immer reibungslos durch, wie ich mit Paperless-NGX feststellen sollte. Manchmal ändern sich Abhängigkeiten im Hintergrund, und gelegentlich steht man vor einer Warnung im Diagnose-Tool, die dramatischer klingt, als sie eigentlich ist.

Zum Beispiel hatte ich einmal ein Update, das im Hintergrund die Datenbank-Version angepasst hat. Die App lief danach nicht sofort sauber, bis ich eine kleine Einstellung anpasste. Nichts Weltbewegendes, aber eben auch kein „läuft einfach immer“-System.

Sein aktuelles Setup

Das war kurz vor Weihnachten, ist jetzt also nen halbes Jahr her und bei der Person, der ich das dann empfahl, stellte sich bis heute ein stabiler Alltag ein. Inzwischen laufen darüber Joplin für Notizen, Seafile für Dateien und Immich für Fotos. Dinge also, die sonst gerne bei großen Cloud-Anbietern landen, inklusive Abo-Modell und der stillen Hoffnung, dass niemand die Preise verdoppelt. Oder um es mit seinen Worten zu sagen "Bruder, warum hab ich das nicht schon viel früher gemacht".

Für wen sich das lohnt

Würde ich heute jemandem Selfhosting empfehlen, der einfach nur schauen will, ob das überhaupt etwas für ihn ist, dann wäre YunoHost ziemlich weit oben auf der Liste. Nicht weil es perfekt ist, sondern weil es dich nicht sofort in eine Sinnkrise aus Konfigurationsdateien wirft.

Und genau dafür ist dieser VPS-Ansatz eigentlich ideal. Für 5 Euro im Monat ausprobieren, ohne Hardware zu kaufen, ohne sich festzulegen. Einfach sehen, ob man wirklich Kontrolle über seine Daten haben will und sich auch mal mit Fehlermeldungen auseinandersetzt oder ob Cloud-Dienste am Ende doch bequemer sind, als man es sich eingestehen möchte.

gedacht

⬅ Vorheriger Beitrag
Absurdität des Tages Teil 374930