Last.fm - die letzte Datenkrake, die ich nicht loswerden will
Ich habe mich in den letzten Jahren Stück für Stück von den großen Datenkraken verabschiedet. Immer mehr Open Source. Selfhosting, wo es Sinn ergibt. Weniger Dienste, die alles über mich wissen.
Und dann gibt es da Last.fm. Eigentlich passt das überhaupt nicht mehr zu dem von mir eingeschlagenen Weg. Trotzdem scrobbelt seit bald zwanzig Jahren jeder Song, den ich höre.
Ich höre immer und überall Musik. Ich kann nicht ohne. Sie läuft eigentlich ständig irgendwo mit, wie ein zweiter Puls. Für introvertierte Menschen wie mich sind Kopfhörer auch einfach die perfekte Art, ein bisschen in Ruhe gelassen zu werden, ohne ständig in Gespräche verwickelt zu werden.
Heute habe ich nach längerer Zeit mal wieder in meine Statistiken geschaut.
Meine Top 20 Künstler:

Blink-182 auf Platz 1 überrascht mich nicht im geringsten. Die Band begleitet mich, solange ich denken kann. Als Teenager. Als Erwachsener. In guten Zeiten und in beschissenen, sie waren immer da. Tom, Mark und Travis sind weit mehr als meine Lieblingsband, eher ein Stück Biografie. Es gibt Bands, die hört man gern. Und dann gibt es Bands, die einen über Jahrzehnte begleiten.
Ich bin eigentlich kein Sammler. Funko Pops? Brauche ich nicht. Vinyls zum anglotzen statt zum hören? Nee! Außer eben bei Blink-182. Von den dreien stehen hier Funko Pops und ungeöffnete Vinyls.
Nicht weil sie selten sind. Nicht weil sie irgendwann mal Geld wert sein könnten. Sondern weil diese Band einfach zu meinem Leben gehört.
Der Rest der Liste erzählt eigentlich dieselbe Geschichte.
MxPx, Goldfinger, Descendents, Reel Big Fish, Zebrahead, Me First and the Gimme Gimmes.. Ich hab offenbar irgendwann beschlossen, dass drei Akkorde und gute Laune völlig ausreichen.
Taylor Acorn, Stand Atlantic, Meet Me @ The Altar.. Moderner Pop Punk. Nostalgisch, aber nicht stehen geblieben. Ich entdecke also noch immer neue Bands, sie müssen sich nur irgendwie nach der Musik von damals anfühlen.
Pop Punk. Punk. Ska Punk. Ein bisschen Nu Metal. Afrob mittendrin, aber das ist ne andere Geschichte. Neuere Artists wie RØRY oder Maphra zeigen, dass mein Musikgeschmack nicht stehen geblieben ist. Er hat sich einfach nur in dieselbe Richtung weiterentwickelt.
Musik ist für mich kein Wettbewerb. Es geht einfach nur ums Fühlen. Nicht darum, wer den obskursten Geschmack hat oder sich die meisten Genres in die Gehörgänge schraubt.
Wenn ich aber eines gelernt habe, Gefühle verblassen. Spuren nicht. Und genau deshalb habe ich mir über die Jahre eine Art digitales Tagebuch angelegt, ein stilles Protokoll all dieser Momente.
Dieses Protokoll heißt Last.fm. Und genau deshalb kann und will ich es nicht löschen.
Für deren Algorithmus bin ich wahrscheinlich nur ein alter Mann, der auffällig viel Pop Punk hört.
Für mich ist diese Datenbank aber eine Zeitkapsel. Ich sehe nicht nur Künstler und Scrobbles.
Ich sehe Erinnerungen und kann nachverfolgen in welcher Lebensphase ich welche Band rauf und runter hörte. Manche Songs katapultieren mich innerhalb weniger Sekunden zwanzig Jahre zurück.
Last.fm ist wahrscheinlich der einzige Dienst, bei dem ich akzeptiere, dass dort Daten über mich liegen. Nicht, weil ich Datensammeln plötzlich geil finde. Sondern weil diese Daten ausnahmsweise mir etwas zurückgeben. Erinnerungen.
Und die sind mir mehr wert als perfekte Konsequenzen.