Immich 3 ist da
Ich glaube, kaum ein selbstgehostetes Projekt hat sich in den letzten Jahren so schnell weiterentwickelt wie Immich. Was als Open-Source-Alternative zu Google Fotos gestartet ist, wird immer mehr zu einer vollständigen Fotoverwaltung. Und irgendwann stellt man sich dann doch die Frage, warum man seine komplette Fotosammlung eigentlich noch freiwillig bei einer der großen Datenkraken abladen sollte.
Mittlerweile bin ich ein ein ziemlicher Immich-Fanboy. Dieses Stück Software bekommt mich so schnell nicht mehr los.
Das Update auf Version 3.0 lief bei mir völlig problemlos durch und ich vermute, dass das bei den meisten Nutzern genauso sein wird. Wer allerdings zusätzliche Tools, eigene Skripte oder ein stärker angepasstes Setup nutzt, sollte vorher trotzdem einen Blick auf die Breaking Changes werfen.
Die größte Neuerung, die mir direkt auffiel, ist die überarbeitete Bildbearbeitung in der mobilen App. Änderungen wie Zuschneiden oder Drehen sind jetzt endlich zerstörungsfrei möglich. Das Original bleibt erhalten und Anpassungen können später wieder rückgängig gemacht werden. Einige Funktionen des alten Editors fehlen aktuell noch, sollen aber zurückkommen.
Auch bei den mobilen Backups wurde nachgebessert. Besonders Android-Nutzer profitieren von einer zuverlässigeren Hintergrundsicherung. Unter iOS wurden ebenfalls Verbesserungen vorgenommen, damit die kurzen Zeitfenster für Hintergrundaufgaben besser genutzt werden. Ein Problem, das ich persönlich aus meiner früheren Apple-Zeit noch gut kenne.
Dazu kommen viele kleinere Verbesserungen. Eine neue Ansicht für kürzlich hinzugefügte Dateien erleichtert das Finden neuer Importe. In den mobilen Apps gibts jetzt OCR um Texte in Bildern zu erkennen, die Timeline läuft flüssiger und Android-Nutzer können Immich als Galerie-App für andere Anwendungen nutzen, was ich direkt getan habe.
Mit Integrity Checks gibt es außerdem ein praktisches Werkzeug. Damit überprüft Immich, ob Datenbank und tatsächliche Dateien noch zusammenpassen. Fehlende Dateien, unbekannte Dateien oder veränderte Prüfsummen werden erkannt.
Die wohl wichtigste technische Änderung steckt allerdings unter der Haube. pgvecto.rs wird nicht mehr unterstützt, stattdessen setzt Immich jetzt auf VectorChord. Wer eine Standardinstallation nutzt, dürfte davon wenig merken. Wer seine Installation angepasst hat oder noch eine ältere Datenbankkonfiguration verwendet, sollte vor dem Update die Migration prüfen.
Auch die API wurde überarbeitet. Für normale Nutzer ist das ziemlich egal, wer aber Tools wie Immich Frame, Immich Kiosk oder eigene Skripte nutzt, sollte mal schauen, ob diese bereits kompatibel sind.
Backups machen nicht vergessen! Nicht nur die Fotos, sondern auch die Datenbank. Denn wie immer gilt beim Selbsthosten.. Ein Backup ist nur so lange unwichtig, bis man es braucht. Und das sage ich als jemand, der sich schon mehrfach "ach wird schon" dachte und dann heftig auf die Fresse flog.
Unterm Strich ist Immich 3 kein Update mit dem einen großen Wow-Feature. Stattdessen wurden viele kleine Baustellen angegangen, die das Projekt insgesamt deutlich runder machen. Gerade die bessere mobile Bearbeitung, die Workflows und die zuverlässigeren Backups zeigen, dass Immich langsam von einer interessanten Google-Fotos-Alternative zu einer wirklich erwachsenen Fotoverwaltung wird.
Viel Spaß beim Aktualisieren oder erstmaligen Installation. Peace.