Piehnat

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Texteditoren und Glaubenskriege

Ich nutze seit Jahren Kate und war eigentlich immer zufrieden. Jedoch fühlt sich das Teil bei sehr großen oder komplett minifizierten Dateien zunehmend zäher an, was mich oft nervt, weil Geduld und ich definitiv keine Kumpels sind.

Kein Plan, ob das ein spezielles Kate Problem ist oder ob andere Editoren genauso kämpfen. Also dachte ich mir, ich schaue mich mal nach Alternativen um.

Und genau da beginnt der Spaß. Man grast Reddit, Foren und co nach halbwegs objektiven Meinungen zu Texteditoren ab und landet schneller in Glaubenskriegen als bei einem echten Vergleich. Erinnert mich an diese dämlichen Xbox gegen Playstation oder iOS gegen Android Kindergartendebatten.

Nur dass hier Leute nicht darüber diskutieren, welcher Controller besser ist, sondern darüber, welches Programm sie zum Schreiben von Text und Code benutzen.

Vim und Emacs wirken manchmal weniger wie Programme und mehr wie Religionen. Jeder kennt den einzig wahren Weg und wehe jemand behauptet, dass vielleicht auch ein anderer Editor seinen Job erledigt.

Das Problem ist nicht, dass Menschen ihren Lieblingseditor mögen. Natürlich dürfen sie das. Wer jahrelang täglich mit einem Programm arbeitet, kennt jeden Trick und jede Abkürzung.

Nur heißt das nicht automatisch, dass man alle anderen Editoren genauso gut kennt.

Trotzdem liest man ständig Aussagen wie "Modales Editieren ist schneller" oder "Emacs kann alles". Ja, vielleicht. Wenn man genau diese Arbeitsweise jahrelang gelernt hat oder bereit ist, unzählige Stunden in die Konfiguration zu stecken.

Und das ist ja auch völlig okay. Manche Menschen haben Spaß daran, ihren Editor bis ins letzte Detail umzubauen. Für andere ist ein Editor einfach ein Werkzeug. Aufmachen, arbeiten, fertig.

Besonders peinlich werden diese Diskussionen, wenn jemand fragt, was denn das Gegenstück zu bestimmten Vim Befehlen in anderen Editoren ist. Die Antwort ist meistens weniger spektakulär als erwartet, weil viele Editoren diese Funktionen längst können. Sie heißen nur anders oder werden über andere Tastenkombinationen erreicht. Aber das passt natürlich nicht ganz so geil in die Geschichte vom überlegenen Profi Workflow.

Am Ende geht es nicht darum, welcher Editor objektiv der beste ist. Den gibt es wahrscheinlich genauso wenig wie den perfekten Kaffee oder die perfekte Tastatur.

Nutzt einfach das, womit ihr klarkommt und hört auf, euren Editor zu verteidigen, als hätte er euch aus einem brennenden Haus gerettet.

Jetzt habe ich wahrscheinlich länger darüber geschrieben, warum ich einen anderen Editor suche, als einfach einen anderen Editor zu testen. Läuft bei mir. Peace.

gedacht

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