Ich schieb ja gern mal Dinge vor mir her. Nicht die aufregenden, eher die unscheinbaren Baustellen, die ich jahrelang erfolgreich ignorieren kann, weil sie nicht sofort explodieren.
Zum Beispiel mein digitales Leben.
Ich hoste für meine bessere Hälfte und mich quasi alles selbst. Baue uns seit Jahren eine kleine unabhängige Welt zusammen und erzähle mir dabei gerne, dass ich uns damit irgendwie nen Stück Kontrolle zurückhole. Weg von großen Plattformen, hin zu eigenen Lösungen, mehr Freiheit, mehr Selbstbestimmung, all diese schönen Begriffe, mit denen man sich gut fühlen kann. Stimmt ja auch. Irgendwie…
Das Problem ist nur, diese Freiheit hat eine kleine Nebenwirkung. Sie hängt derbe stark an einer Person. An mir.
Für mich ist das alles logisch. Ich weiß, wo was läuft, welcher Dienst welchen Zweck erfüllt und warum irgendwas genau so gebaut ist, wie es gebaut ist. Auf meine Frau trifft das nicht zu und das soll es auch gar nicht. Sie nutzt das einfach seit Jahren. Genauso wenig könnte ich ihr als KFZ-Lackiererin erklären, welche Lackschichten bei nem Auto wichtig sind, welche Materialien sich vertragen oder warum ein bestimmter Farbton eben nicht einfach nur blau ist.
Und genau da sitzt das Problem, das mir aber auch erst bewusst wurde, als es plötzlich „Junge du bist schwer krank“ hieß. Dann sind das von jetzt auf gleich nicht mehr nur Dinge, die ich auf dem Rechner oder VPS vor sich hinrödeln lasse und von Zeit zu Zeit update oder repariere. Es ist unser digitales Zuhause. Fotos, Dokumente, Erinnerungen, Notizen, E-Mails, alles verteilt über eigene Dienste, Domains und Server. Für mich selbstverständlich. Für jemand anderen ne schwarze Kiste mit blinkenden Lichtern. Die ohne jemanden, der sich kümmert, irgendwann nicht mehr läuft. Und dann ist alles weg. Also brauche ich einen Ausweg für den Fall der Fälle. Nicht irgendwann. Zeitnah.
Um ehrlich zu sein, schreib ich diesen Post hier nicht, weil ich schon eine fertige Lösung hätte. Ganz im Gegenteil. Irgendwie ist er mein lautes Denken, mein Versuch, das ganze Kopf-Chaos da oben mal zu sortieren, während ich noch lebe und klar denken kann. Ich hab halt gemerkt, dass ich die praktische Umsetzung ja immer noch vor mir herschiebe, also dachte ich, schreib es dir mal von der Seele, dann wird es greifbarer. Vielleicht komme ich so überhaupt erst auf die endgültige Lösung, die dann auf dem Zettel für sie landet. Also bitte nicht als Anleitung lesen, sondern als meine Gedankenkirmes auf dem Weg zum Ziel.
Kein prickelnd geiles Thema, seinen digitalen Nachlass zu regeln. Natürlich hoffend, ihn nicht so schnell zu brauchen, aber.. und ich heule bei diesen Worten schon wieder Rotz und Wasser… mein kleiner Bruder, gestern noch das blühende Leben und plötzlich tot. Mit nicht mal 40.
Erledigen werde ich das wohl analog, also schön mit Zettel, Stift und ausnahmsweise mal ohne meine Doktorschrift. Vielleicht auch besser so, eingesehen zu haben, dass „ich weiß das schon“ keine krass hilfreiche Dokumentation ist, wenn ich irgendwann nicht mehr da bin.
Das Ganze wird sicher kein technisches Handbuch. Kein so exportierst du Datenbanken Schatz und kein hier sind 17 Schritte zur Servermigration mein Engel. Wenn man nicht sowieso schon in dieser Welt lebt, ist das null hilfreich.
Stattdessen muss es eine kurze, verständliche Anleitung werden, wie sie im Notfall an ihre Daten kommt. Und wenn sie, wovon ich ausgehe irgendwann entscheidet, dass sie das alles nicht mehr über meine selbstgebauten Lösungen machen will, dann wird der Weg ihre Daten zurück in die iCloud oder anderes zu schieben bewusst einfach gehalten.
Ihre Fotos zum Beispiel chillen in einer Immich Instanz auf dem NAS. Auf dem Zettel werde ich dann wohl als Anleitung in etwa folgendes notieren.
„Öffne Immich im Browser, klick oben auf „Alle auswählen“, dann auf den Download-Button. Der Rechner packt dir alle Bilder in einen Ordner. Den ziehst du per Maus in die iCloud-Fotos-App oder lädst ihn auf icloud.com hoch. Fertig.“
Grob durchgerechnet sind es etwa 10 Dienste. Ob der Weg wie grad am Beispiel Immich genauso funktioniert, werde ich nachher mal für jede App einzeln durchspielen und ihr dann die einfachsten Wege zum Export und Import nach iCloud und co Schritt für Schritt aufschreiben.
Nicht, weil das besser ist, sondern weil alles verlieren keine Option ist.