Gelesen

Stapel Bücher auf meinem Schreibtisch

Seit 2022 tracke ich alle Bücher, die ich lese. Über manche schreibe ich hier Blogposts. Meist die, über die ich noch länger nachgedacht habe oder die, die schlichtweg Zeitverschwendung waren. Auf dieser Seite habe ich all diese Informationen an einem Ort zusammengefasst. Die Bücher sind in umgekehrter chronologischer Reihenfolge aufgelistet.

Bücher kaufe ich seit Jahren ausschließlich gebraucht auf Booklooker, weil ich der Meinung bin, dass sie ein zweites Leben verdienen. Ich bezweifle, dass ich noch genug Zeit habe, all die Bücher zu lesen, die mich noch interessieren.

 
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2026

Antifascistas von Miquel Ramos - Erzählerisch starke Analyse, die zeigt, wie vielfältig und widersprüchlich antifaschistische Praxis in Spanien seit den 1990er‑Jahren ist. Ramos verbindet detailreiche Zeitgeschichte und politische Selbstreflexion. Lesenswert, gerade weil er Partei ergreift und damit die Debatte über Populismus, Rechtsstaatlichkeit und Möglichkeiten progressiver Politik belebt.

Nausicaä aus dem Tal der Winde von Hayao Miyazaki - Sein frühes, visionäres Meisterwerk, das schon vor Studio Ghibli seine zentralen Themen aufzeigt. Den Konflikt zwischen Mensch und Natur, den zerstörerischen Fortschrittsglauben und die Angst vor technischer Hybris. Ein poetisches Sci-Fi-Fantasy-Epos von beeindruckender Bildkraft und emotionaler Tiefe. Tja, für mich Miyazakis wahres, aber leider oft übersehenes Opus Magnum.

2025

Law statt Order von Maximilian Pichl - Lesenswert, gerade weil er Partei ergreift und damit die Debatte über Populismus, Rechtsstaatlichkeit und Möglichkeiten progressiver Politik belebt.

Der bürgerliche Staat von Karl Held - Desillusionierend und niederschmetternd, aber halt die Realität.

Der Zauberberg von Thomas MannAuch wenn der Autor hier das beste Werk seines Schaffens vermutet, für mich gibt es deutlich interessantere Leseerlebnisse außerhalb räumlich beschränkter Klinikmauern und endloser Beschreibungen exzessiver Charaktere. Schon irre, wie man auf Hunderten Seiten mitteilt, was man auch auf wenigen Seiten hätte sagen können.

Nachricht von einer Entführung von Gabriel García Márquez - Gabo verbindet wie immer meisterhaft dokumentarische Schärfe mit poetischer Tiefe und zeichnet so ein ungeschöntes, aber einfühlsames Bild Kolumbiens. Geprägt von Machtmissbrauch, Drogenhandel und den fatalen Verstrickungen einer Elite, die sich im Visier von Pablo Escobar wiederfindet. Die Geschichte von Entführung und Befreiung wird bei ihm nie zur reinen Action oder moralischen Anklage, sondern bleibt stets ein Blick auf das Menschliche inmitten des Chaos. Ein Buch, das die politische und soziale Realität Kolumbiens greifbar macht, ohne je in Klischees abzurutschen.

Arbeit und Reichtum von Wirth und Möhl - Mag, wie die Autoren sich konsequent weigern, das Marktwirtschafts-Märchen einfach zu schlucken und sich stattdessen fragen, wer eigentlich davon profitiert, dass eine kleine Clique alles von der Produktion bis zum Rechtssystem kontrolliert und warum alle anderen immer am Tropf der negativen Folgen hängen.

Berserk von Kentarou Miura - Sehr brutales Werk, das trotz seiner düsteren und grausamen Atmosphäre viel Tiefgang bietet und mich schnell mit den Akteuren mitfühlen ließ.

THE SECRET PUBLIC von Jon Savage - Das Buch erzählt in fünf Teilen, wie sich die LGBTQ-Community zwischen 1955 und 1979 von einer verfolgten Untergrundszene zu einer sichtbaren, kulturell prägenden Bewegung entwickelte. Getrieben durch Popkultur, Proteste wie Stonewall und den Kampf um Rechte. Das Buch endet kurz vor der AIDS-Krise und zeigt, wie Kunst, Musik und Aktivismus die Gesellschaft veränderten, bevor die Epidemie alles überschattete.

One-Punch Man von Yuusuke Murata - Eine herrlich ehrliche Abwechslung, wenn man mal keinen Bock auf ausgelutschte Muster hat. Ernst, wenn nötig, vermittelt simple, aber sinnvolle Botschaften und ist maximal unterhaltsam. Bloß nicht zu verkopft angehen, das verfehlt den Punkt, denn es geht um den Spaß an der absurden Idee eines Helden, der jeden Gegner mit einem Schlag besiegt und genau daran leidet.

Hundert Jahre Einsamkeit von Gabriel García Márquez - Gabos Werk ist ein monumentales Spiegelbild der lateinamerikanischen Gesellschaft und zugleich eine universelle Parabel auf menschliche Existenz. Es entfaltete in farbgewaltigen, surrealen Bildern in meinem Kopf den endlosen Zyklus von Aufbau, Zerstörung und Vergänglichkeit. Einsamkeit durchzieht als existentielle Grundbedingung jede Generation der Familie Buendía, zwischen Lebenshunger und Selbstzerstörung. Hinter der phantastischen Erzählfülle verbirgt sich ein tief melancholischer Aufschrei über die zerstörerischen Wiederholungen im menschlichen Dasein.

Warum Marx recht hat von Terry Eagleton - Eine leicht verständliche Erklärung des Marxismus im Allgemeinen. Absolute Empfehlung für jeden, der sich für die marxistische Theorie interessiert.

From the New World von Shinsekai Yori - Sieht am Anfang wie übliches Kids mit Kräften aus, entwickelt sich zu einer bitteren Dystopie über Klassensysteme, Gedankenkontrolle und Staatsraison. Die Übersexualisierung macht aber alles kaputt. Besser den Anime gucken, der die Story wesentlich erwachsener und anspruchsvoller angeht.

Vom Wesen und Wert der Demokratie von Hans Kelsen - Rechtes Gedankengut erlebt derzeit ein frisches Comeback. Um die Werte der modernen Gesellschaft zu verteidigen, lohnt sich ein neuer Blick in dieses Buch, denn es erinnert daran, dass Demokratie vor allem vom Kompromiss lebt und nicht von gegeneinander kämpfenden Gruppen. Sein offener Begriff des Volkes liefert außerdem gute Argumente gegen Ausgrenzung und für eine vielfältige Gesellschaft.

2024

Unter Beobachtung von Philip Manow - Der Autor zeigt, wie eng die Geschichte unserer politischen Begriffe mit den jüngsten Veränderungen der politischen Institutionen und der daraus entstandenen Krise verbunden ist. Er versteht die aktuelle Krise als Folge des Umbruchs von 1989/1990. Grundsätzlich stimme ich im zu, dass unsere Vorstellungen von der Welt immer historisch geprägt sind und deshalb auch immer politisch, besonders dann, wenn es um das Politische selbst geht.

Skorpion von Richard Morgan - Nach den ersten vier Romanen, allen voran die atemberaubenden Takeshi Kovacs Geschichten, wirkt dieser Band wie ein herber Rückschlag. Statt mitgerissen zu werden, musste ich mich Seite für Seite zwingen weiterzulesen, in der Hoffnung auf Besserung. Die Handlung schlängelt sich zäh dahin, zentrale Fragen bleiben unbeantwortet und die Dialoge sind ein absolutes Tief.

Verratene Revolution von Leo Trotzki - Herausragende Analyse der Sowjetunion, die aufgrund der stalinistischen Degenerierung in einer Übergangsgesellschaft stecken geblieben ist.

Chainsaw Man von Tatsuki Fujimoto - Absurditäten, massig schwarzer Humor und ne Menge Gewalt. Einer der besten Manga, die ich in letzter Zeit inhalierte. Allein die Idee hinter der Story, nice.

Weil der Mensch erbärmlich ist von Jeroen Olyslaegers - Statt Heldentum oder klare Moral vorzugeben, zeigt er die Widersprüchlichkeit und Ambivalenz einzelner Menschen, die in den Wirren des Zweiten Weltkriegs schwierige Entscheidungen treffen müssen. Gerade diese Zurückhaltung und der hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck.

 
Attack on Titan von Hajime Isayama - Geil, spannend und oftmals echt schockierend. Was Shingeki no Kyoujin manchmal an Innovation vermissen lässt, macht die dichte Atmosphäre und die fesselnde Handlung mehr als wett. Charaktere und Mystery sind so eng miteinander verwoben, dass ich unbedingt mehr über die Hintergründe der Hauptfiguren erfahren wollte. Absolute Empfehlung, wenn man starke Nerven und Lust auf ein unkonventionelles Setting hat.
 
Vinland Saga von Makoto Yukimura - Der Einstieg wirkt durch die lange Rückblende zunächst etwas zäh, entwickelt sich aber schnell zu einer extrem fesselnden Geschichte in einer gnadenlosen, kriegerischen Welt. Durch konsequentes Erzählen und starke Charakterentwicklungen entsteht ein erstaunlich realistisches Kriegsszenario, das durch einen detailverliebten, hervorragenden Zeichenstil zusätzlich gewinnt. Nichts für Zartbesaitete, Brutalität und Kaltblütigkeit ziehen sich kompromisslos durch den gesamten Manga.

Die Informanten von Juan Gabriel Vasquez - Fesselt mit einer eloquenten Erzählweise und einer raffinierten Struktur, die ein lange gehütetes Geheimnis Schicht für Schicht enthüllt. Meisterhaft verknüpft der Autor Themen wie Schuld, Vergebung und Vergessen zu einem emotional dichten Geflecht. Mit feinem Gespür für Atmosphäre und psychologische Tiefe schafft er intensive, oft verstörende Stimmungen. Die Spannung steigert sich konsequent bis zum Schluss und hält mich unablässig in ihrem Bann.

2023

Why Socialism von Albert Einstein - Einstein kritisiert den Kapitalismus als System der Machtkonzentration, Unsicherheit und Entfremdung für die Mehrheit der Menschen. Er plädiert für einen demokratischen Sozialismus mit gemeinschaftlicher Planung der Wirtschaft, der materielle Sicherheit für alle bietet und dennoch individuelle Rechte schützt.

Anarchy Works von Peter Gelderloos - Hervorragende Zusammenfassung des Anarchismus anhand von Beispielen.

Fischer Weltgeschichte Die Altorientalischen Reiche - Der Teil über die Ägypter ist besser geschrieben und besser strukturiert, da er die historischen Fakten unter Angabe verschiedener Quellen präsentiert und die Errungenschaften jeder Epoche in Bezug auf Kunst, Regierungssystem, Literatur und Wissenschaften aufzeigt. Der Teil über Mesopotamien hingegen ist sehr verwirrend und in einem langweiligen und trockenen Stil geschrieben.

Computergeschichte(n) von Jürgen Wolf - Bringt ein bisschen Heimweh nach der guten alten Bastelzeit, aber spannend aufgearbeitet und auch leicht verständlich für Nicht-Nerds.

Pluto von Naoki Urasawa - Konzentration ist aufgrund des sehr schnellen Stils nötig, also nicht für nebenbei. Fesselnde, unglaublich durchdringende Gesellschaftskritik mit sehr gut ausgearbeiteten Charakteren. Pflichtlektüre.

Blackshirts and Reds von Michael Parenti - Beschreibung des Faschismus und wie er sich vom Sozialismus unterscheidet, Überblick über die Errungenschaften der UdSSR und anderer sozialistischer Länder, Kritik an ihren Mängeln und Widerlegung gängiger antisozialistischer Argumente.

Kaiju No.8 von Naoya Matsumoto - Obwohl die Kämpfe beeindruckend gezeichnet sind, wirkt die Geschichte auf mich permanent irgendwie zu hastig erzählt. Charaktere, Emotionen und Weltaufbau kommen mir zu kurz, sodass ich kaum eine Bindung zu den Figuren oder ihren Schicksalen aufbauen konnte. Schade, Potential wäre da.

Links ist nicht woke von Susan Neiman - Die Autorin zeigt, dass woke Denken nichts mit klassischer linker Politik zu tun hat. Linke sollten für Gleichheit aller Menschen und echten Fortschritt stehen, nicht für Identitätsgruppen, Schuldzuweisungen und Dauerpessimismus. Sollte jeder, der sich selbst als Linken sieht, eigentlich mal lesen.

Die New-York-Trilogie von Paul Auster - Ein literarisches Labyrinth, in dem Realität, Identität und Erzählung ineinander verschwimmen. Jeder der drei verknüpften Romane erforscht die Suche nach Menschen, Sinn oder dem eigenen Ich. Dicht, rätselhaft und kafkaesk verwebt Auster Detektivarbeit mit philosophischer Tiefe.

2022

The Boys Gnadenlos-Edition Band 1 von Garth Ennis und Darick Robertson - Begeistert durch brillante Schreibkunst und Zeichnungen auf höchstem Niveau. Besonders Butcher, den ich auch in der Serie am liebsten mag, fasziniert mit seiner rauen Charaktertiefe, während der rabenschwarze Humor die Geschichte durchzieht und einen atemlos macht. Ich konnte das Buch keine Sekunde aus der Hand legen, die Spannung trieb mich unerbittlich weiter.

Dekolonialistische Theorie aus Lateinamerika von Jens Kastner - Kastner zeigt, dass lateinamerikanische Perspektiven in westlichen Debatten zur Dekolonialisierung fehlen, obwohl die Kolonisierung Amerikas zentral für die moderne westlich-kapitalistische Ordnung war, und hebt den praxisorientierten, selbstkritischen Charakter lateinamerikanischer dekolonialer Theorien hervor.

Die Linke und die Kunst von Jens Kastner - Kastners materialreiches Panorama füllt eine echte Lücke. Erstmals erschließt sie das heterogene Feld linken Kunst-Denkens so umfassend wie verständlich. Seine Studie widerlegt das landläufige Vorurteil, die Linke respektiere das Eigenständige der Kunst nicht. Sie widerlegt aber auch das linke Vorurteil, Kunst lenke bloß vom Klassenkampf ab.

Kaltblütig von Truman Capote - Das Pionierwerk des True-Crime-Genres. Eine eiskalt präzise erzählte Mischung aus Journalismus und Literatur. Capote beschreibt den Mord an der Familie Clutter und die anschließende Jagd auf die beiden Täter so nüchtern und detailliert, dass sich der Schrecken von selbst ins Hirn frisst. Vor allem Perry Smith wird durch Capotes Gespräche im Gefängnis tiefgehend gezeichnet, während Dick Hickock eher aus der Distanz erscheint. Das Ergebnis ist ein bedrückendes, brillant geschriebenes Buch, das lange nachhallt.

Monster von Naoki Urasawa - Der Manga, der mich bisher meisten bewegt hat. Die Liebe, die in die Charaktere und ihre Entwicklung gesteckt wurde, merkt man sofort, weil wirklich jeder eine Rolle spielt und nicht immer eine nette. Man erlebt die Geschichte fast wie ein Beteiligter, nicht nur als Zuschauer, und fühlt richtig mit. Einziger Wermutstropfen, der Anfang zieht sich etwas, ist aber nötig, um die Figuren gut kennenzulernen.

Der Idiot von Dostojewskij - Erzählt von Fürst Myschkin, einem gutherzigen, naiven Mann, der in der intriganten Welt der russischen Oberschicht der 1860er Jahre auf Egoismus, Bosheit und Verrat stößt. Seine Offenheit wirkt wie ein Spiegel, der die dunklen Seiten der Gesellschaft gnadenlos reflektiert. Der Roman ist ein psychologisches und philosophisches Drama über Gut, Böse, Liebe und menschliche Schwächen. Dostojewskijs detaillierte Psychologie und innere Monologe machen das Werk anspruchsvoll, es fordert Konzentration, belohnt aber mit tiefer Menschlichkeit.

Krieg und Frieden von Leo Tolstoi - Tolstoi lieferte hier einen Roman, der gleichzeitig Epos, Soap und Geschichtsunterricht ist. Man stolpert mit einer Fußballmannschaft an Figuren durch Schlachten, Ballräume und Existenzkrisen. Ziemlich lang, aber gerade so gut, dass ich es ihm nicht übel nehme.

Machtverfall von Robin Alexander - Das Buch zeichnet Angela Merkel in ihrer letzten Amtszeit als müde, risikoscheue Kanzlerin, deren Machtverfall und vorsichtige Politik besonders während der Corona-Pandemie sichtbar werden. Hier verschwimmen Fakten und Anekdoten, sodass das Buch eher wie ein packender Politkrimi als eine objektive Chronik wirkt. Letztlich bleibt Alexander selbst die auffälligste Lichtgestalt in dieser Darstellung, naja.

Fullmetal Alchemist von Hiromu Arakawa - Perfekt, wenn man auf Action steht, aber auch auf Geschichten, die etwas mehr Hirnschmalz brauchen. Der Zeichenstil ist schnörkellos und schön anzusehen, perfekt für die Story. Vielschichtig, komplex und immer wieder mit kleinen Humor-Einlagen, die mich beim Lesen haben grinsen lassen.