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            "content_html": "<p>Wer meine manchmal etwas ausufernde Tipperei hier liest, weiß, dass ich krank bin. Also so wirklich krank, nicht so dieses deutsche Büromoral-krank, wo einer sagt, ich bin eigentlich tot, aber ich komme trotzdem ins Meeting, weil ich Verantwortung habe. So krank krank. So ein Zustand, bei dem der menschliche Körper seinem Besitzer mitteilt<br>hör mal zu Kollege, ich habe die Zusammenarbeit mit deinem Lebenswandel und dieser Gesellschaft vorläufig eingestellt. Und das ist doch eigentlich ein herrliches Thema, dem ich mich mal etwas nähern könnte.</p>\n<p>Krankheiten, Gesundheitswesen, eine fantastische Sache, schon der Name alleine, Gesundheitswesen, als ob es da um Gesundheit ginge. Gesundheitswesen klingt nach Fürsorge, nach Heilung, nach der edlen Absicht, dass Menschen möglichst gesund leben sollen. Tatsächlich ist es ein ziemlich hässlicher Laden, in dem sich ein Staat darum kümmert, dass sein Menschenmaterial nicht zu früh verreckt, nicht zu teuer kaputt geht und nach Möglichkeit wieder arbeitsfähig gemacht wird. Werft mir jetzt gern wieder marxistische Propaganda vor, juckt mich nicht.</p>\n<p>In dieser Gesellschaft ist Gesundheit kein Zweck, sondern eine Bedingung. Nicht der Mensch soll gesund sein, weil das schön wäre, sondern der Mensch soll so gesund sein, dass er seine Funktion erfüllen kann. Du sollst gesund genug sein, damit du morgens wieder da auftauchen kannst, wo man dich braucht. Und wenn du nicht mehr gebraucht wirst, dann verwandelt sich dasselbe System, das vorher deine Arbeitskraft konservieren wollte, plötzlich in ein Rechenzentrum für Kosten Nutzenabwegung.</p>\n<p>Und das ist das Lustige oder eher traurige an der Gesellschaft. Solange du funktionierst, heißt es, Gesundheit ist unser höchstes Gut. Sobald du aber teuer wirst, heißt es, wir müssen hier leider Prioritäten setzen. Es gibt ja diese bürgerliche Erzählung, Krankheit sei irgendwie ein Schicksal, also dass man so selber schuld sei oder dass es persönliches Pech wäre, wenn man krank werden würde.</p>\n<p>Der eine hat es und der andere lebt dann glücklicherweise gesund. Der Dritte hätte vielleicht weniger rauchen, mehr schlafen, öfter joggen, weniger Energy trinken, mehr Wasser, mehr Medikation, mehr Omega 3 und wahrscheinlich auch noch dankbarer sein sollen. Also dieser ganze Terror, der dir permanent erzählt wird.</p>\n<p>Wenn du nur genug an dir arbeitest, dann wirst du schon gesund, als wäre Gesundheit irgendeine moralische Leistung. Was da komplett ausgeblendet wird, der Körper lebt nicht im luftleeren Raum. Der Mensch wird in Verhältnisse eingespannt, die ihn systemisch verschleißen. Stress, Konkurrenz, Zeitdruck, Lohnarbeit, Schichtsysteme, prekäre Jobs, Existenzangst, Mieten, die dich in die Panik treiben, Ernährung, die nach Preis organisiert ist und nicht nach Vernunft. Umweltgifte, Isolation, Vereinsamung, psychischer Druck, permanente Selbstoptimierung...</p>\n<p>Und dann kommt irgendein sehr schlauer Mensch und labert dich mit Fragen wie \"Hast du mal probiert früher schlafen zu gehen?\" zu. Ja, danke. Der Paketbote, die Pflegekraft, der Lagerarbeiter, die Kassiererin, der befristet beschäftigte Wissenschaftler, die Alleinerziehenden im Bürgergeld-Bezugskarusell, die müssen einfach mal alle ein bisschen besser auf sich achten und vielleicht mal ein Stündchen früher schlafen gehen. Problem gelöst. Das ist die ganze Unverschämtheit der bürgerlichen Gesundheitsmoral. Die Schäden, die diese Gesellschaft produziert, werden dem Individuum als mangelhafte Lebensführung zurückgegeben. Die Leute werden erst kaputt gemacht und dann moralisch dafür verantwortlich erklärt, dass sie kaputt sind. Du arbeitest in einem Job, der dich psychisch auffrisst, dann brauchst du Aufmerksamkeit. Du wohnst im Schimmelbau, schläfst schlecht, frisst billigen Dreck, weil die Kohle nicht reicht? Dann sollst du vielleicht mal mehr Meal Prep machen, Kollege. Du hast ein Burnout, na ja, schon mal mit Journaling probiert? Diese Gesellschaft ist wirklich großartig. Sie produziert systematisch die Gründe für Krankheit und verkauft dir hinterher die App, in der du lernen sollst, sie positiver zu verarbeiten.</p>\n<p>Man muss sich immer klar machen, was Gesundheit in dieser Ordnung eigentlich bedeutet. Gesundheit ist ja nicht einfach ein angenehmer Zustand des Körpers. Sie ist die Brauchbarkeit des Menschens. Der Unterschied ist nicht klein, sondern brutal. Wenn Mensch gesund genannt wird, heißt das gesellschaftlich erstmal, er ist belastbar. Er ist einsatzfähig. Er hält den Alltag durch. Er kann leisten, funktionieren und verfügbar sein. Deshalb ist auch der Umgang mit Krankheit so verräterisch. Die erste Frage ist ja selten, was brauchst du eigentlich? Die erste Frage lautet meist, wie lange fällst du eigentlich aus? Das ist die Wahrheit. Krankheit wird sofort als Störung eines Betriebsablaufes behandelt. Im Job sowieso, aber auch staatlich. Deshalb gibt es Lohnfortzahlung, Krankengeld... Nicht, weil der Staat plötzlich Humanist geworden wäre, sondern weil es für eine kapitalistische Gesellschaft lohnt, ihre Arbeitskräfte nicht einfach wahllos verkommen zu lassen.</p>\n<p>Der moderne Sozialstaat ist ja nicht die Widerlegung des Kapitalismus, sondern seine vernünftige Ergänzung. Er kümmert sich um die Schäden, die die Konkurrenzgesellschaft anrichtet, soweit es der Aufrechterhaltung dieser Konkurrenzgesellschaft überhaupt dient. Das ist übrigens die gleiche Logik wie bei Straßen, Schulen, Polizei oder Infrastruktur.</p>\n<p>Der Staat organisiert die allgemeinen Bedingungen dafür, dass das schöne Spiel aus Geldvermehrung, Ausbeutung und nationaler Standortkonkurrenz laufen kann. Beim Gesundheitswesen heißt das eben, die Bevölkerung soll brauchbar bleiben. Nicht alle gleich gut, nicht alle unendlich teuer und vor allem nicht bedingungslos, sondern im Rahmen dessen, was als notwendig und finanzierbar gilt. Da sieht man dann auch direkt, wie hohl die ganze Sonntagsrede von der Menschenwürde ist, denn im Alltag wird die Würde ziemlich flott in Fallpauschalen, Budgetbegrenzung und Wartelisten übersetzt. Und jetzt kommt der schöne Teil, die Ökonomie des Heilens. Deutschland leistet sich den Luxus Gesundheit als Ware, als Staatsaufgabe und als Geschäftsmodell gleichzeitig zu organisieren. Das ist wirklich ein Kunstwerk bürgerlicher Vernunft. Krankenhäuser sollen heilen, aber wirtschaftlich arbeiten. Ärzte sollen versorgen, aber effizient sein. Pflegekräfte sollen sich bitte kümmern, aber unterbesetzt. Krankenkassen sollen absichern, aber Kosten dämpfen. Patienten sollen versorgt werden, aber den Laden möglichst wenig belasten. Was kann da schon schiefgehen?</p>\n<p>Allein die Vorstellung, ein Krankenhaus müsse Gewinne machen oder wenigstens wirtschaftlich tragfähig sein, ist das schon eine perfekte Diagnose dieser Gesellschaft. Eine Institution, deren einziger Zweck darin besteht, Menschen zu versorgen, die krank, verletzt, hilflos oder in Lebensgefahr sind. Und dann sagt die Politik, ja, aber rentieren muss sich der ganze Bums schon. Wie pervers muss ein Laden eigentlich organisiert sein, damit die Behandlung eines Menschen immer zugleich eine betriebswirtschaftliche Rechnung ist? Dann hast du den Arzt nicht einfach als Mediziner, sondern als Akteur in im Abrechnungssystem, den Patienten nicht einfach als Leidenden, sondern als Fall und die Krankheit nicht einfach als Problem des Körpers, sondern als abrechnungsfähige Einheit.<br>Das ist überhaupt ein toller Begriff, über den ihr euch mal Gedanken machen solltet. Ein Mensch erkrankt und sofort wird er verwaltungstechnisch in eine Nummer übersetzt. Dann wird immer zuerst geguckt, was bringt die Behandlung, wie lange darf sie dauern, lohnt sich das Bett, welche Prozedur ist abrechenbar, wie schnell kann der Mensch wieder raus.</p>\n<p>Das Gesundheitswesen ist eben kein heiliger Raum außerhalb des Kapitals. Es ist ein Bereich, in dem sich die allgemeinen Prinzipien dieser Gesellschaft nur besonders eklig bemerkbar machen. Denn wo sonst prallen menschliche Bedürftigkeit, staatliche Verwaltung, private Gewinnteressen und der Zwang aus begrenzten Mitteln ein funktionales Versorgungsniveau für die Nation zu organisieren so heftig aufeinander. Das Ergebnis ist dann genau die Mischung, die jeder schon kennt. Hochtechnologische Medizin auf der einen Seite, Verwahrlosung der alltäglichen Versorgung auf der anderen. Du kannst den halben Körper austauschen lassen, aber auf den Therapieplatz wartest du, bis du entweder gesund, tot oder privat versichert bist.</p>\n<p>Und dann ist da noch die Pflege. Nur damit das klar ist, ich will euch nicht vorwerfen, dass ihr das Problem seid. Ihr seid Helden da draußen. Aber die Pflege ist ja schon so ein gesellschaftliches Wunder, das seit Jahren nur deshalb nicht vollständig implodiert, weil Menschen dort moralisch erpresst werden. Jeder klatscht, jeder bedankt sich, jeder sagt, das seien die wahren Heldinnen und Helden des Alltags. Und genau daran merkt man ja schon, dass sie materiell verarscht werden. Sobald ein Beruf öffentlich mit Pathos überschüttet wird, kannst du dir ziemlich sicher sein, dass er schlecht bezahlt, chronisch überbelastet und strukturell verheizt wird.</p>\n<p>Pflege ist Berufung. Ja, das ist der Satz, mit dem man Leuten erklärt, warum sie für gesellschaftlich notwendige Knochenarbeit schlechte Bedingungen hinnehmen sollen. Berufung heißt übersetzt \"Du sollst deinen moralischen Anspruch gegen deine materiellen Interessen selber mobilisieren\". Du arbeitest am Limit, hebst Menschen, putzt die Scheiße weg, dokumentierst, tröstest, organisierst, springst für Kollegen ein, machst Nachtschichten, ruinierst Rücken und Psyche. Wenn du sagst, dass es nicht mehr geht, heißt es \"Aber denk doch an die Menschen, die du pflegst\". Pflege zeigt besonders gut, dass der Kapitalismus von Tätigkeiten lebt, die er gleichzeitig möglichst billig halten will, denn gepflegt werden muss.</p>\n<p>Kranke, Alte, Menschen mit Behinderungen, Hilfsbedürftige verschwinden ja nicht nur, weil ein Finanzminister gerade sparen will. Also wird diese notwendige Arbeit organisiert, aber möglichst kostenarm. Und weil Pflege schwer rationalisierbar ist, weil Zuwendung eben Zeit braucht, wird an genau dieser Zeit gespart. Das ist der Witz. In der Industrie kann man Maschinen kaufen, Abläufe beschleunigen, Produktivität erhöhen. In der Pflege heißt Produktivitätssteigerung praktisch nur der gleiche Mensch muss in der gleichen Zeit mehr Menschen irgendwie versorgen. Also Abgehetze, also Oberflächlichkeit, also permanentes schlechtes Gewissen bei denen, die dort arbeiten. Und genau dieses schlechte Gewissen ist ein Teil des Systems. Er hält den Laden länger am Laufen, als es jede faire Bezahlung hier könnte.</p>\n<p>Noch mal besonders schön wird's bei psychischen Krankheiten, denn da kommt die ganze moderne Ideologie vollends zur Geltung. Die Gesellschaft produziert in Massen Angst, Depression, Erschöpfung, Vereinsamung, Panik, Sinnlosigkeit und behandelt das dann vorzugsweise als individuelles Verarbeitungsproblem. Der Mensch lebt in Konkurrenz, steht ökonomisch unter Druck, ist austauschbar, soll sich verkaufen, optimieren, flexibel bleiben, ständig anpassungsfähig sein, jederzeit performen, sozial funktionieren, digital präsent sein und dabei bitte noch authentisch wirken. Und wenn dieser Mensch dann irgendwann zusammenklappt, dann lautet die Diagnose, sie haben leider keine ausreichenden Coping-Strategien.</p>\n<p>Coping-Strategien auch so ein herrlicher Begriff. Du sollst also lernen, mit einer objektiv beschissenen Lage besser klar zukommen. Die gesellschaftliche Zumutung bleibt, aber du kriegst Methoden an die Hand, sie innerlich geräuschärmer zu ertragen. Das ist psychische Gesundheitsversorgung in ihrer schönsten bürgerlichen Form. Nicht die Verhältnisse werden kritisiert, sondern deren erfolgreiche Verarbeitung eingeübt. Bevor jetzt einer denkt, das sei gegen Therapie gerichtet. Nein Bruder, natürlich brauchen Leute Hilfe. Natürlich ist es besser Unterstützung zu bekommen als gar keine, aber man muss doch sehen, worin die Grenze liegt.</p>\n<p>Therapie im Kapitalismus ist oft der Versuch, den beschädigten Menschen wieder kompatibel zu machen. Nicht ausschließlich, nicht immer, aber strukturell schon ziemlich oft. Der Mensch leidet an einer Welt, die ihm objektiv Gründe zum Leiden gibt und die Antwort lautet \"Lernen Sie sich besser abzugrenzen\". Ja, wunderbar.<br>Der Wahnsinn bleibt, nur der Patient soll professioneller mit ihm umgehen.</p>\n<p>Und dann diese schöne demokratische Legende. Vor der Krankheit sind alle Menschen gleich. Stimmt ja biologisch irgendwie. Fieber fragt jetzt nicht nach dem Parteibuch und Krebs liest auch keine Steuererklärung. Aber gesellschaftlich ist das natürlich kompletter Quatsch. Schon krank werden Menschen ungleich. Je nach Arbeit, Wohnsituation, Stress, Ernährung, Umwelt, Vorsorge, Absicherung... Privatversicherte bekommen Termine. Kassenpatienten wie ich bekommen Geduld als Therapieform.</p>\n<p>Wer Geld, Bildung und Zeit hat, navigiert das System eben besser. Und wer prekär lebt, verliert schon beim Organisieren der eigenen Behandlung halb die Kraft, die er für die Genesung bräuchte. Das Geile ist, alle wissen das, also wirklich alle, aber es wird behandelt wie eine kleine Systemunschärfe. Als sei es irgendein bedauerlicher Schönheitsfehler, dass in der Klassengesellschaft auch die Versorgung nach Klassenlage sortiert ist. Und das ist dabei gar kein Unfall. Wieso sollte in einer Gesellschaft, in der der Zugang zur Wohnraumbildung, Ernährung, Freizeit, Sicherheit und politischem Einfluss ungleich verteilt ist, ausgerechnet Gesundheit plötzlich außerhalb dieser Logik stehen? Das Gegenteil wäre des Wunder. Im Kapitalismus kriegt jeder die Gesundheit, die zu seiner gesellschaftlichen Stellung passt. Nicht exakt, nicht mechanisch, aber im Durchschnitt immer sehr zuverlässig. Der gut verdienende Büromensch kauft sich Prävention, Checkups, Ruhezonen und Zeit und der Malocher kauft sich Rückenschmerzen und eine Schmerzpillen-Existenz. Die Politik nennt das dann Versorgungsgerechtigkeit.</p>\n<p>Und wenn wir schon beim Thema sind, dann können wir auch über Pharma sprechen. Ein herrlicher Bereich. Da wird immer so getan, als stünde dort die Menschheit im weißen Kittel und suche selbstlos nach Heilung. In Wahrheit steht da Kapital, das in Krankheiten Geschäftsfelder sieht. Jetzt kommt immer sofort der Einwand. Ja, aber Medikamente sind doch gut. Forschung ist doch gut und zwar immer. Ja, natürlich, darum geht's ja gerade. Es ist ja nicht der Witz, dass Medikamente schlecht sind. Der Witz ist, dass etwas gesellschaftlich so notwendiges wie Medikamente unter die Form des Geschäfts gestellt wird.</p>\n<p>Geforscht wird nicht einfach dort, wo der menschliche Bedarf am größten ist. Geforscht wird dort, wo sich Bedarf zahlungsfähig machen lässt. Nicht die Krankheit als solches kommandiert die Forschung, sondern die Aussicht aus ihrer Behandlung Geld zu machen. Deshalb ist es in dieser Gesellschaft auch so viel leichter an Symptomen herumzudoktern, als die Ursache anzugehen. Das ist überhaupt die größte Stärke des Kapitalismus. Er verdient an den Schäden, die er selbst hervorbringt. Er macht dich fertig, verkauft dir die Behandlung, verkauft dir die Ablenkung, verkauft dir die Nahrungsergänzungsmittel, verkauft dir den Fitness Tracker und am Ende noch den Coaching Kurs, damit du aus deiner Erschöpfung eine Wachstumschance machst.</p>\n<p>Lass uns noch kurz über diese deutsche Kultur sprechen, krank zur Arbeit zu gehen.<br>Es gibt wirklich Menschen, die stolz drauf sind, mit 39 Fieber im Büro zu sitzen, die Kollegen anzuhusten und zu sagen, ich wollte euch nicht hängen lassen. Seine eigene Verwertbarkeit mit Anstand zu verwechseln ist keine Tugend, das ist komplett dämlich. Aber die Gesellschaft belohnt das ja auch. Der, der sich schont gillt schnell als problematisch. Der, der trotz allem funktioniert, gilt als verlässlich. Man sieht daran perfekt, wie tief die Ideologie eigentlich sitzt. Die Leute identifizieren sich mit den Anforderungen, die an sie gestellt werden, als wären es ihre eigenen höchsten Werte. Pflichtgefühl, Leistungswille, Belastbarkeit, lauter Charaktereigenschaften, mit denen man sich die Zumutung schön redet, die man eigentlich als Angriff auf eigene Leben erkennen müsste.</p>\n<p>Und dann sitzen die Leute jetzt krank in irgendwelchen Großraumbüros, ruinieren sich weiter und nennen das Erwachsen sein. Das ist überhaupt ein guter Satz für diese Gesellschaft. Sie bringt die Menschen dazu, ihren Verschleiß als Charakterstärke zu missverstehen. Doch jetzt mal ganz grundsätzlich, der Staat will nicht, dass seine Bevölkerung wahllos wegstirbt, nicht aus Menschenliebe, sondern weil eine leistungsfähige Bevölkerung ein nationaler Reichtumsfaktor ist. Deswegen gibt es Impfprogramme, Seulchenschutz, Krankenversicherungspflichten, Präventionskampagnen, Arzneimittelaufsichten und so weiter. Alles sinnvolle Sachen, aber eben nicht außerhalb des Staatszwecks, sondern innerhalb von ihm. Der Staat verwaltet Gesundheit als Bestandteil seiner gesellschaftlichen Reproduktionsbedingung. Er braucht arbeitsfähige Leute, gebärfähige Frauen, wehrfähige Männer, belastbare Menschen. Deshalb ist Gesundheitspolitik nie einfach humanitär. Sie ist immer auch Bevölkerungspolitik.</p>\n<p>Das konnte man während Corona besonders gut sehen. Plötzlich wird gerechnet, wie viele Intensivbetten haben wir, wie viel Personalausfall haben wir, wie viel wirtschaftlicher Schaden entsteht dadurch, wie viel Zumutung ist dieser Bevölkerung zumutbar und wie viel Schutz ist der Wirtschaft denn überhaupt erträglich? Schon merkt man, Gesundheit ist ein Staatsziel unter Vorbehalt anderer Staatsziele. Sie zählt, aber nie absolut. Sie zählt immer nur im Verhältnis zu Wachstum, Haushaltslage, Arbeitsmarkt, Standortinteresse und politischer Stabilität. Die Gesundheit der Bevölkerung ist also wichtig als Mittel einer funktionierenden Nation und genau deshalb wird sie immer nur so weit gesichert, wie es mit den übrigen Zwecken des Staates vereinbar ist.</p>\n<p>Ihr werdet jetzt vielleicht denken, Moment mal, aber das System ist ja ohnehin überlastet. Das ist ja sowieso so ein Satz, den man dauernd hört. System ist überlastet als Naturkatastrophe ausgesprochen, als hätte irgend so ein neutrales System plötzlich aus heiterem Himmel beschlossen, erschöpft zu sein.</p>\n<p>Nee, ein System ist nicht einfach überlastet, es wird überlastet organisiert. Wenn Betten fehlen, Personal fehlt, Zeit fehlt, Termine fehlen, Therapieplätze fehlen, Landarztpraxen fehlen, dann liegt es nicht daran, dass das Universum überraschend beschlossen hat, mehr Krankheiten zu produzieren als vorgesehen. Dann liegt es daran, dass Versorgung nach Kosten, Zuständigkeiten, Budgets, Profiten und politischer Priorität organisiert wird. Fachkräftemangel ist in solchen Bereichen oft auch nur das höfliche Wort dafür, dass man die Bedingungen so gestaltet hat, dass Leute den Job nicht mehr machen wollen oder auf Dauer eben nicht mehr machen können. Und das ist natürlich ziemlich unerfreulich.</p>\n<p>Man tut dann so, als seien das alles irgendwelche bedauerlichen Engpässe. Die Wahrheit ist doch, in unserem reichen Land wird Mangel hochgradig organisiert. Nicht absolut, aber relativ zu den vorhandenen Möglichkeiten. Es fehlt den Leuten nicht an Wissen, nicht an Technik und nicht an gesellschaftlichem Reichtum. Es fehlt an der Bereitschaft, Gesundheit rücksichtslos zum Zweck zu machen. Dann müsste man mit lauter Heiligen Kühen brechen, mit Sparpolitik, mit Gewinnteressen, Standortlogik, Kassenlogik und mit der Unterordnung des Lebens und betriebswirtschaftliche Vernunft. Und genau das will eben keine Regierung, das will kein Staat. Also verwaltet man den Mangel, moralisiert die Bürger und bedankt sich ab und an mal klatschend bei der Pflege.</p>\n<p>Was kann man also aus dem ganzen Laden lernen? Erstens, Krankheit ist in dieser Gesellschaft nicht einfach Natur, sondern zu einem guten Teil Resultat gesellschaftlicher Verhältnisse. Zweitens, das Gesundheitswesen heißt nicht, dass Gesundheit der Zweck wäre. Der Zweck ist die Verwaltung und Wiederherstellung einer brauchbaren Bevölkerung unter den Bedingungen von Kosten, Konkurrenz und Staatshaushalt. Drittens, die ganze individuelle Moralisierung, lebe gesünder, manage dich und dein Leben besser, achte mehr auf dich, ist die ideologische Begleitmusik zu Verhältnissen, die Menschen systematisch verschleißen. Viertens, dass es trotzdem medizinische Spitzenleistungen gibt, widerlegt die Kritik kein bisschen. Im Gegenteil, es zeigt nur, wie leistungsfähig eine Gesellschaft sein könnte, wenn sie ihre Fähigkeiten nicht unter die Form von Geschäft, Kostenrechnung und Klassenlage stellen würde.<br>Und fünftens, wer übers Gesundheitswesen reden will, ohne über Arbeit, Armut, Staat, Klasse und Kapitalismus zu reden, der will über Symptome reden und die Ursachen in Ruhe lassen. Das ist dann ungefähr so sinnvoll wie in dem brennenden Haus einen Luftreiniger aufzustellen und zu sagen, siehst du, wir arbeiten an einer besseren Atmosphäre.</p>\n<p>Und in diesem Sinne Freunde, gute Besserung falls ihr krank sein solltet. Schont euch, soweit es in dieser herrlichen Leistungsgesellschaft überhaupt möglich ist. Wenn euch wieder mal jemand erzählt, Gesundheit sei unser höchstes Gut, dann fragt ihn einfach für wen eigentlich und wofür. Bis dann.</p>",
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            "title": "Mastodon auf dem Raspberry Pi hosten",
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            "content_html": "<p>Gestern kam die Frage von jemandem, der offensichtlich Bock auf eine eigene Mastodon-Instanz hat, ob das auf einem Raspberry Pi geht. Er hat einfach die Schnauze voll von Twitter &amp; Co., will sich aber auch auf keiner bestehenden Mastodon-Instanz anmelden, bei der er völlig dem Betreiber ausgeliefert ist und jederzeit abgeschossen werden könnte.</p>\n<p>Einen V-Server mieten? Keine Chance, will er nicht. Stattdessen wollte er wissen, ob das Ganze auf einem Raspberry Pi zu Hause machbar ist. Da ich selbst keines dieser Netzwerke nutze, also auch keine Erfahrungen damit habe, dachte ich mir, probiere ich es einfach mal aus und dokumentiere das Ganze hier, damit er alles Schritt für Schritt nachlesen kann.</p>\n<h2>Was du brauchst</h2>\n<ul>\n<li>Raspberry Pi 4 mit <strong>mindestens 4 GB RAM</strong> (2 GB geht nur mit Swap-Tricks, Performance leidet)</li>\n<li><strong>SSD empfohlen</strong>, SD-Karte geht, aber nur hochwertige z. B. Samsung Pro Endurance; überwache Gesundheit mit <code>smartctl</code> oder <code>fsck</code></li>\n<li><strong>Domain/Subdomain</strong>, die auf deine öffentliche IP zeigt</li>\n<li><strong>Routerzugang</strong> für Portforwarding (80 und 443)</li>\n<li>SSH-Zugang und Basiskenntnisse für Terminalbefehle</li>\n</ul>\n<p>Optional, aber stark empfohlen:</p>\n<ul>\n<li>DynDNS (z. B. duckdns) für wechselnde IP</li>\n<li>SSH-Key für sicheren Zugriff</li>\n<li>Backup-Speicher extern (Festplatte/NAS/Cloud)</li>\n</ul>\n<h2>Schritt 1: Raspberry Pi OS Lite installieren</h2>\n<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol>\n<li>Raspberry Pi OS Lite auf SD-Karte oder SSD schreiben (Raspberry Pi Imager).</li>\n<li>Pi starten, per SSH einloggen:\n<pre><code>ssh pi@raspberrypi.local</code></pre>\n</li>\n<li>Alles updaten und Grundpakete installieren:\n<pre><code>sudo apt updatesudo apt upgrade -ysudo apt install -y git curl wget ca-certificates unzip nano ufw fail2ban</code></pre>\n</li>\n<li>Nach Kernel-Updates <code>reboot</code>:</li>\n</ol>\n</li>\n</ol>\n<pre><code>sudo reboot</code></pre>\n<ol>\n<li>Swap erhöhen bei 2 GB RAM (optional):\n<pre><code>sudo dphys-swapfile swapoffsudo sed -i 's/CONF_SWAPSIZE=.*/CONF_SWAPSIZE=2048/' /etc/dphys-swapfilesudo dphys-swapfile setupsudo dphys-swapfile swapon</code></pre>\n</li>\n<li>Statische IP einstellen (Beispiel für <code>/etc/dhcpcd.conf</code>):\n<pre><code>interface eth0static ip_address=192.168.1.100/24static routers=192.168.1.1static domain_name_servers=1.1.1.1 8.8.8.8</code></pre>\n</li>\n</ol>\n<h2>Schritt 2: Docker &amp; Docker Compose installieren</h2>\n<ol>\n<li>Docker installieren:\n<pre><code>curl -fsSL https://get.docker.com -o get-docker.shsudo sh get-docker.shsudo usermod -aG docker $USER</code></pre>\n<p><strong>Hinweis:</strong> danach abmelden und wieder anmelden oder SSH neu starten.</p>\n</li>\n<li>Docker Compose Plugin installieren:\n<pre><code>sudo apt install -y docker-compose-plugin</code></pre>\n</li>\n<li>Prüfen:\n<pre><code>docker --versiondocker compose versiondocker info</code></pre>\n<p>Falls <code>docker info</code> meckert:</p>\n<pre><code>sudo systemctl restart docker</code></pre>\n</li>\n</ol>\n<h2>Schritt 3: Mastodon-Verzeichnis &amp; Code klonen</h2>\n<ol>\n<li>Verzeichnis erstellen:\n<pre><code>sudo mkdir -p /srv/mastodonsudo chown $USER:$USER /srv/mastodoncd /srv/mastodon</code></pre>\n</li>\n<li>Mastodon-Code klonen und stabile Version nutzen:\n<pre><code>git clone https://github.com/mastodon/mastodon.git .git checkout v4.3.0</code></pre>\n</li>\n</ol>\n<h2>Schritt 4: Docker Compose Datei erstellen</h2>\n<p><code>docker-compose.yml</code> anlegen:</p>\n<pre><code>nano docker-compose.yml</code></pre>\n<p>Inhalt:</p>\n<pre><code>version: '3.3'services:  db:    image: postgres:16    environment:      POSTGRES_USER: mastodon      POSTGRES_PASSWORD: mastodon      POSTGRES_DB: mastodon    volumes:      - ./postgres:/var/lib/postgresql/data    restart: always  redis:    image: redis:7    command: redis-server --save 60 1 --loglevel warning    volumes:      - ./redis:/data    restart: always  web:    build: .    env_file: .env.production    command: bundle exec puma -C config/puma.rb    ports:      - \"3000:3000\"    depends_on:      - db      - redis    volumes:      - ./public/system:/mastodon/public/system    restart: always  streaming:    build: .    env_file: .env.production    command: node ./streaming/index.js    ports:      - \"4000:4000\"    depends_on:      - db      - redis    restart: always  sidekiq:    build: .    env_file: .env.production    command: bundle exec sidekiq    depends_on:      - db      - redis    volumes:      - ./public/system:/mastodon/public/system    restart: always</code></pre>\n<h2>Schritt 5: .env.production anlegen &amp; konfigurieren</h2>\n<ol>\n<li>Datei kopieren:\n<pre><code>cp .env.production.sample .env.productionnano .env.production</code></pre>\n</li>\n<li>Wichtige Anpassungen:\n<pre><code>LOCAL_DOMAIN=deinedomain.deWEB_DOMAIN=deinedomain.deDB_HOST=dbDB_USER=mastodonDB_NAME=mastodonDB_PASS=supergeheimREDIS_HOST=redisSMTP_SERVER=smtp.deinmailanbieter.exampleSMTP_PORT=587SMTP_LOGIN=deinloginSMTP_PASSWORD=deinapppasswortSMTP_FROM_ADDRESS=no-reply@deinedomain.de</code></pre>\n</li>\n<li>Keys generieren:\n<pre><code>docker compose run --rm web rake secretdocker compose run --rm web rake mastodon:webpush:generate_vapid_key</code></pre>\n</li>\n<li>Datei schützen:\n<pre><code>chmod 600 .env.production</code></pre>\n<p><strong>Hinweis:</strong> Keys niemals öffentlich speichern; Passwort-Manager oder verschlüsselte Datei verwenden.</p>\n</li>\n<li>SMTP-Hinweis: Bei Gmail App-Passwort nutzen oder „Unsichere Apps“ aktivieren.</li>\n</ol>\n<h2>Schritt 6: Mastodon bauen &amp; Setup</h2>\n<ol>\n<li>Build starten:\n<pre><code>docker compose buildsudo chown -R 991:991 public</code></pre>\n</li>\n<li>Setup ausführen (Admin anlegen, DB-Tabellen erstellen):\n<pre><code>docker compose run --rm web bundle exec rake mastodon:setup</code></pre>\n</li>\n<li>Container starten:\n<pre><code>docker compose up -d</code></pre>\n<p><strong>Tipp:</strong> Build dauert auf Pi 4 gerne 1–2 Stunden. Kaffee holen.</p>\n</li>\n</ol>\n<h2>Schritt 7: Reverse Proxy &amp; HTTPS (Caddy)</h2>\n<ol>\n<li>Caddy installieren:\n<pre><code>sudo apt install -y debian-keyring debian-archive-keyring apt-transport-httpscurl -1sLf 'https://dl.cloudsmith.io/public/caddy/stable/gpg.key' | sudo apt-key add -curl -1sLf 'https://dl.cloudsmith.io/public/caddy/stable/debian.deb.txt' | sudo tee /etc/apt/sources.list.d/caddy-stable.listsudo apt updatesudo apt install -y caddy</code></pre>\n</li>\n<li>Caddyfile erstellen:\n<pre><code>sudo nano /etc/caddy/Caddyfile</code></pre>\n<p>Beispielinhalt:</p>\n<pre><code>deinedomain.de {    reverse_proxy localhost:3000    @notls {        protocol http    }    redir @notls https://{host}{uri}    limit_rps 100}</code></pre>\n</li>\n<li>Reload:\n<pre><code>sudo systemctl reload caddy</code></pre>\n</li>\n<li>Router: Ports 80 &amp; 443 (IPv4 und IPv6) weiterleiten.</li>\n</ol>\n<h2>Schritt 8: Firewall &amp; Sicherheit</h2>\n<ol>\n<li>UFW konfigurieren:\n<pre><code>sudo ufw allow 2222/tcpsudo ufw allow 80/tcpsudo ufw allow 443/tcpsudo ufw enable</code></pre>\n</li>\n<li>Fail2Ban aktivieren:\n<pre><code>sudo systemctl enable fail2bansudo systemctl start fail2ban</code></pre>\n</li>\n<li>Beispiel Jail für Mastodon-Logs:\n<pre><code>[mastodon]enabled = truefilter = mastodonlogpath = /srv/mastodon/log/*.logmaxretry = 3bantime = 1h</code></pre>\n</li>\n</ol>\n<h2>Schritt 9: Backups</h2>\n<ul>\n<li>Datenbank komprimiert sichern:\n<pre><code>docker compose exec db pg_dump -U mastodon mastodon | gzip &gt; /srv/mastodon/backups/backup-$(date +%F).sql.gz</code></pre>\n</li>\n<li>Medien sichern:\n<pre><code>tar czf /srv/mastodon/backups/media_backup_$(date +%F).tar.gz public/system</code></pre>\n</li>\n<li>Cronjob für tägliche Backups:\n<pre><code>crontab -e0 3 * * * docker compose exec db pg_dump -U mastodon mastodon | gzip &gt; /srv/mastodon/backups/backup-$(date +\\%F).sql.gz</code></pre>\n</li>\n<li>Offsite-Backup mit rclone:\n<pre><code>rclone copy /srv/mastodon/backups remote:backups/mastodon/</code></pre>\n</li>\n</ul>\n<h2>Schritt 10: Updates &amp; Wartung</h2>\n<pre><code>cd /srv/mastodongit pulldocker compose builddocker compose run --rm web bundle exec rails db:migratedocker compose up -ddocker system prune -f</code></pre>\n<p><strong>Hinweis:</strong> Docker-Prune nur ausführen, wenn alle Container laufen. Downtime kurz, ggf. Nutzer vorher informieren.</p>\n<h2>Schritt 11: Häufige Fehler</h2>\n<ul>\n<li>Styles fehlen → Domain in <code>.env.production</code> prüfen</li>\n<li>Build-Abbruch → RAM, evtl. <code>docker compose build --no-cache</code> oder auf stärkerem Rechner bauen</li>\n<li>Logs wachsen → Logrotation:\n<pre><code>/srv/mastodon/log/*.log {    daily    missingok    rotate 7    compress    delaycompress    notifempty    create 644 mastodon mastodon}</code></pre>\n</li>\n<li>Mailversand → SMTP prüfen, App-Passwort nötig</li>\n</ul>\n<h2>Schritt 12: Sicherheit &amp; Monitoring</h2>\n<ul>\n<li>HTTPS erzwingen (Admin)</li>\n<li>Rate-Limiting in Caddy (siehe oben)</li>\n<li>Monitoring mit netdata:\n<pre><code>bash &lt;(curl -Ss https://my-netdata.io/kickstart.sh)# Zugriff lokal: http://deine-ip:19999</code></pre>\n</li>\n</ul>\n<h2>Schritt 13: Fediverse-Kompatibilität</h2>\n<pre><code>curl https://deinedomain.de/nodeinfo/2.0curl https://deinedomain.de/.well-known/webfinger?resource=acct:admin@deinedomain.de</code></pre>\n<p>Wenn das nicht klappt: Domain, HTTPS-Zertifikat, Port 443 prüfen.</p>\n<h2>Schritt 14: Rechtliches</h2>\n<ul>\n<li>Impressum Pflicht, Beispiel:\n<pre><code>&lt;p&gt;Verantwortlich für diese Instanz:&lt;br&gt;Max Mustermann&lt;br&gt;Musterstraße 1&lt;br&gt;12345 Musterstadt&lt;br&gt;E-Mail: admin@deinedomain.de&lt;/p&gt;</code></pre>\n</li>\n<li>DSGVO beachten</li>\n<li>Urheberrecht bei Medieninhalten beachten</li>\n</ul>\n<h2>Schritt 15: Erste Schritte nach Installation</h2>\n<ol>\n<li>Als Admin einloggen → <code>/admin</code></li>\n<li>HTTPS erzwingen</li>\n<li>Registrierung aktivieren (falls erwünscht)</li>\n<li>Mailversand testen:\n<pre><code>docker compose logs web | grep 'SMTP'</code></pre>\n</li>\n<li>Freunde einladen und eigene Social-Media-Blase starten</li>\n</ol>",
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                "name": "Piehnat"
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            "date_published": "2026-03-24T10:54:00+01:00",
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            "title": "19.03.26",
            "summary": "<p data-start=\"684\" data-end=\"706\" data-is-last-node=\"\" data-is-only-node=\"\">Mit meinem „neuen“ alten Hobel einfach mal einen ganzen Kilometer zum Supermarkt und zurück geprügelt. Sah wahrscheinlich eher nach besoffenem fetten Gorilla als nach elegantem Radfahrer aus, aber wird schon, Gleichgewicht kommt nicht über Nacht, gibt leider kein Software-Update.<br><br>Für ein knapp 30 Jahre altes Mountainbike macht das Ding jetzt aber wieder ordentlich was her. Was die Restaurierung betrifft, habe ich genug geflucht, um spirituell gereinigt zu sein. Besonders bei der komplett verbogenen Gabel und dem Tretlager, die sich erst bewegt haben, als ich kurz davor war, sie persönlich zu beleidigen.<br><br>Egal. Läuft. Auf gute Fahrt. Peace.</p>\n<figure class=\"post__image\"><img loading=\"lazy\"  src=\"https://Piehnat.de/media/posts/136/KTM-Mountainbike-2.png\" alt=\"Gelbes KTM Mountainbike aus den 90ern vor und nach der Restaurierung\" width=\"2160\" height=\"2160\" sizes=\"(min-width: 760px) 660px, calc(93.18vw - 30px)\" srcset=\"https://Piehnat.de/media/posts/136/responsive/KTM-Mountainbike-2-xs.webp 320w ,https://Piehnat.de/media/posts/136/responsive/KTM-Mountainbike-2-sm.webp 480w ,https://Piehnat.de/media/posts/136/responsive/KTM-Mountainbike-2-md.webp 768w ,https://Piehnat.de/media/posts/136/responsive/KTM-Mountainbike-2-xl.webp 1024w\"></figure>\n",
            "content_html": "<p data-start=\"684\" data-end=\"706\" data-is-last-node=\"\" data-is-only-node=\"\">Mit meinem „neuen“ alten Hobel einfach mal einen ganzen Kilometer zum Supermarkt und zurück geprügelt. Sah wahrscheinlich eher nach besoffenem fetten Gorilla als nach elegantem Radfahrer aus, aber wird schon, Gleichgewicht kommt nicht über Nacht, gibt leider kein Software-Update.<br><br>Für ein knapp 30 Jahre altes Mountainbike macht das Ding jetzt aber wieder ordentlich was her. Was die Restaurierung betrifft, habe ich genug geflucht, um spirituell gereinigt zu sein. Besonders bei der komplett verbogenen Gabel und dem Tretlager, die sich erst bewegt haben, als ich kurz davor war, sie persönlich zu beleidigen.<br><br>Egal. Läuft. Auf gute Fahrt. Peace.</p>\n<figure class=\"post__image\"><img loading=\"lazy\"  src=\"https://Piehnat.de/media/posts/136/KTM-Mountainbike-2.png\" alt=\"Gelbes KTM Mountainbike aus den 90ern vor und nach der Restaurierung\" width=\"2160\" height=\"2160\" sizes=\"(min-width: 760px) 660px, calc(93.18vw - 30px)\" srcset=\"https://Piehnat.de/media/posts/136/responsive/KTM-Mountainbike-2-xs.webp 320w ,https://Piehnat.de/media/posts/136/responsive/KTM-Mountainbike-2-sm.webp 480w ,https://Piehnat.de/media/posts/136/responsive/KTM-Mountainbike-2-md.webp 768w ,https://Piehnat.de/media/posts/136/responsive/KTM-Mountainbike-2-xl.webp 1024w\"></figure>\n\n<p> </p>",
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            "title": "Ich habe mir einen eigenen NBA-Stats-Server auf dem Raspberry 5 gebaut",
            "summary": "Seit ich denken kann, bin ich NBA-Fan. Die 90er Jahre waren für mich die absolute Goldzeit. Jordan, Pippen, die Bulls-Dynastie, Shaq, Kobe… ich habe jede Minute verschlungen, jede Highlight-VHS zerlegt, jede Statistik ausgeschnitten und jedes Stickeralbum gefüttert. Basketball war damals&hellip;",
            "content_html": "<p>Seit ich denken kann, bin ich NBA-Fan. Die 90er Jahre waren für mich die absolute Goldzeit. Jordan, Pippen, die Bulls-Dynastie, Shaq, Kobe… ich habe jede Minute verschlungen, jede Highlight-VHS zerlegt, jede Statistik ausgeschnitten und jedes Stickeralbum gefüttert. Basketball war damals nicht einfach nur ein Sport, es war meine Religion.</p>\n<p>Ist es für mich heute irgendwie noch immer, aber heutzutage ist alles digital. Jede Bewegung wird getrackt, jede Aktion landet in Datenbanken von Apps oder Websites und dort nicht selten hinter Paywalls.</p>\n<p>Da ich aber nun mal irgendwie ein Nerd bin und Wert auf Datenschutz lege, hab ich beschlossen, Statistiken und Analysen unter meine Kontrolle zu bringen und mir meine eigene kleine NBA-Statistikzentrale auf einem Raspberry Pi zu bauen.</p>\n<p> </p>\n<p><strong>Hardware &amp; System</strong></p>\n<p>Der Raspberry Pi 5 ist ideal. Nicht nur, weil ich eh einen rumzufliegen habe. Er ist kompakt, stromsparend, leistungsfähig genug für Python, PostgreSQL und gelegentliche Analysen. Ich nutze Raspberry Pi OS Lite 64-Bit, weil es schlank ist, stabil läuft und genau das bietet, was ein Server-Setup braucht. Also kein Desktop-Schnickschnack.</p>\n<p> </p>\n<p><strong>Grundsetup</strong></p>\n<pre><code class=\"language-bash\">sudo apt updatesudo apt upgrade -ysudo apt install postgresql postgresql-contrib git python3-pip -y</code></pre>\n<p>Diese Befehle aktualisieren das System, installieren PostgreSQL (die Datenbank), Git (für Codeverwaltung) und Python 3 mit Pip (damit ich Bibliotheken wie Requests oder SQLAlchemy installieren kann).</p>\n<p>Dazu ein Python virtuelles Environment, um System-Pakete sauber zu halten:</p>\n<pre><code class=\"language-bash\">python3 -m venv venvsource venv/bin/activatepip install --upgrade pippip install requests sqlalchemy psycopg2-binary pandas matplotlib</code></pre>\n<p>Damit erstelle ich eine isolierte Python-Umgebung, in der ich alle benötigten Bibliotheken installieren kann, ohne dass die System-Pakete durcheinander geraten.</p>\n<p> </p>\n<p><strong>PostgreSQL-Setup</strong></p>\n<pre><code class=\"language-bash\">sudo -i -u postgrescreateuser pi -P          # Passwort eingeben (ggf. URL-kodiert, falls Sonderzeichen @, : etc.)createdb nbapsql -c \"GRANT ALL PRIVILEGES ON DATABASE nba TO pi;\"exit</code></pre>\n<p>Hier erstelle ich einen neuen Datenbank-User <code>pi</code>, lege eine Datenbank <code>nba</code> an und gebe dem volle Rechte. So sind meine Daten sauber getrennt und sicher.</p>\n<p> </p>\n<p><strong>Balldontlie API mit Pagination (<code>next_cursor</code>)</strong></p>\n<p>Die balldontlie API liefert JSON-Daten zu Spielern, Teams, Spielen und Statistiken. Bisschen nervig, aber seit kurzem braucht es einen API-Key (kostenlos nach Registrierung).</p>\n<pre><code class=\"language-python\">import requestsAPI_KEY = \"DEIN_API_KEY\"headers = {\"Authorization\": f\"Bearer {API_KEY}\"}url = \"https://api.balldontlie.io/nba/v1/players?per_page=100\"cursor = Nonewhile True:    paged_url = url    if cursor:        paged_url += f\"&amp;cursor={cursor}\"    response = requests.get(paged_url, headers=headers)    response.raise_for_status()  # Fehler sofort sichtbar    data = response.json()    # Hier die Daten speichern...    cursor = data.get('meta', {}).get('next_cursor')    if not cursor:        break  # keine weiteren Seiten, Schleife beenden</code></pre>\n<p>Dieser Code ruft alle Spieler der NBA ab. Mit <code>next_cursor</code> hole ich sie Seite für Seite ab, bis keine mehr übrig ist. <code>response.raise_for_status()</code> sorgt dafür, dass Fehler wie ein falscher API-Key sofort angezeigt werden.</p>\n<p> </p>\n<p><strong>Daten in PostgreSQL speichern (SQLAlchemy 2.x-konform)</strong></p>\n<pre><code class=\"language-python\">from sqlalchemy import create_engine, MetaData, Table, Column, Integer, Stringengine = create_engine('postgresql://pi:DEIN_PASSWORT@localhost/nba')metadata = MetaData()players = Table('players', metadata,    Column('id', Integer, primary_key=True),    Column('first_name', String),    Column('last_name', String),    Column('team', String))metadata.create_all(engine)# Beispiel Insertwith engine.begin() as conn:    for p in data['data']:        conn.execute(            players.insert().values(                id=p['id'],                first_name=p['first_name'],                last_name=p['last_name'],                team=p['team']['full_name']            )        )</code></pre>\n<p>Hier wird die Datenbanktabelle <code>players</code> angelegt und die Spielerdaten eingefügt. Das <code>with engine.begin()</code> sorgt dafür, dass die Daten sicher und atomar eingefügt werden. SQLAlchemy 2.x verwendet diese Schreibweise statt des alten <code>engine.execute()</code>.</p>\n<p> </p>\n<p><strong>Automatische Updates per Cronjob</strong></p>\n<pre><code class=\"language-bash\">crontab -e</code></pre>\n<p>Öffnet die Cronjob-Liste für den User.</p>\n<pre><code class=\"language-bash\">0 2 * * * /usr/bin/python3 /home/pi/nba_fetch.py &gt;&gt; /home/pi/nba_fetch.log 2&gt;&amp;1</code></pre>\n<p>Script ausführbar machen (<code>chmod +x nba_fetch.py</code>) oder explizit mit <code>/usr/bin/python3</code> starten. Absolute Pfade verwenden, Cron kennt andere Umgebungsvariablen.</p>\n<p> </p>\n<p><strong>Grafana auf dem Raspberry Pi</strong></p>\n<pre><code class=\"language-bash\">sudo mkdir -p /etc/apt/keyringscurl -fsSL https://apt.grafana.com/gpg.key | sudo gpg --dearmor -o /etc/apt/keyrings/grafana.gpgecho \"deb [signed-by=/etc/apt/keyrings/grafana.gpg] https://apt.grafana.com stable main\" | sudo tee /etc/apt/sources.list.d/grafana.listsudo apt updatesudo apt install -y grafanasudo systemctl enable grafana-serversudo systemctl start grafana-serversudo systemctl status grafana-server</code></pre>\n<p>Diese Befehle fügen das offizielle Grafana-Repository hinzu, installieren die Software und sorgen dafür, dass sie automatisch startet. Grafana ist ein Tool, mit dem ich meine NBA-Daten in übersichtlichen Diagrammen und Dashboards anzeigen und interaktiv auswerten kann. Mit <code>sudo systemctl status grafana-server</code> kann ich prüfen, ob Grafana läuft.</p>\n<p> </p>\n<p><strong>Zugriff:</strong> http://IP_DEINES_PI:3000/ Login: <code>admin / admin</code> (Passwort sofort ändern!)</p>\n<p> </p>\n<p><strong>PostgreSQL als Datenquelle</strong></p>\n<ul>\n<li>Host: <code>localhost:5432</code></li>\n<li>Datenbank: <code>nba</code></li>\n<li>User: <code>pi</code></li>\n<li>Passwort: DEIN_PASSWORT</li>\n</ul>\n<p>Damit kann Grafana direkt auf die NBA-Daten zugreifen.</p>\n<p> </p>\n<p><strong>Erstes Dashboard – Spieler pro Team</strong></p>\n<pre><code class=\"language-sql\">SELECT team, COUNT(*) AS player_countFROM playersGROUP BY teamORDER BY player_count DESC;</code></pre>\n<p>Diese SQL-Abfrage zählt, wie viele Spieler jedes Team hat. In Grafana wähle ich den Panel-Typ „Bar chart“ und kann die Daten interaktiv anzeigen. Optional: im Query inspector prüfen, ob Daten zurückkommen, falls das Diagramm leer bleibt.</p>\n<p> </p>\n<p><strong>Ready</strong></p>\n<p>Jetzt habe ich ne vollständige, lokale NBA-Statistikzentrale</p>\n<ul>\n<li>Daten automatisch per API abrufen (inkl. <code>next_cursor</code> Pagination)</li>\n<li>In PostgreSQL speichern (SQLAlchemy 2.x-konform)</li>\n<li>Automatisch aktualisieren per Cronjob</li>\n<li>Interaktiv visualisieren mit Grafana</li>\n</ul>\n<p>Endlich mein eigener NBA-Stats-Server, genau so, wie ich ihn will.</p>",
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                "name": "Piehnat"
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            "date_published": "2026-02-13T13:31:00+01:00",
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            "title": "09.12.25",
            "summary": "<p>Gelittenen 26 Jahre alten 50€ Kleinanzeigen-Hobel geschossen. Jetzt mit Pfandgeld und noch rumliegenden Parts etwas restaurieren, dann kann die Aktion \"FCK U Gleichgewichtsprobleme - zurück aufs Bike\" starten.</p>\n<figure class=\"post__image\"><img loading=\"lazy\"  src=\"https://Piehnat.de/media/posts/135//ktm-mountainbike-kaputt.jpg\" alt=\"Gelbes KTM Mountainbike lehnt an einer Wand\" width=\"1098\" height=\"616\" sizes=\"(min-width: 760px) 660px, calc(93.18vw - 30px)\" srcset=\"https://Piehnat.de/media/posts/135//responsive/ktm-mountainbike-kaputt-xs.webp 320w ,https://Piehnat.de/media/posts/135//responsive/ktm-mountainbike-kaputt-sm.webp 480w ,https://Piehnat.de/media/posts/135//responsive/ktm-mountainbike-kaputt-md.webp 768w ,https://Piehnat.de/media/posts/135//responsive/ktm-mountainbike-kaputt-xl.webp 1024w\"></figure>\n",
            "content_html": "<p>Gelittenen 26 Jahre alten 50€ Kleinanzeigen-Hobel geschossen. Jetzt mit Pfandgeld und noch rumliegenden Parts etwas restaurieren, dann kann die Aktion \"FCK U Gleichgewichtsprobleme - zurück aufs Bike\" starten.</p>\n<figure class=\"post__image\"><img loading=\"lazy\"  src=\"https://Piehnat.de/media/posts/135//ktm-mountainbike-kaputt.jpg\" alt=\"Gelbes KTM Mountainbike lehnt an einer Wand\" width=\"1098\" height=\"616\" sizes=\"(min-width: 760px) 660px, calc(93.18vw - 30px)\" srcset=\"https://Piehnat.de/media/posts/135//responsive/ktm-mountainbike-kaputt-xs.webp 320w ,https://Piehnat.de/media/posts/135//responsive/ktm-mountainbike-kaputt-sm.webp 480w ,https://Piehnat.de/media/posts/135//responsive/ktm-mountainbike-kaputt-md.webp 768w ,https://Piehnat.de/media/posts/135//responsive/ktm-mountainbike-kaputt-xl.webp 1024w\"></figure>\n\n<p> </p>",
            "author": {
                "name": "Piehnat"
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            "tags": [
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            "date_published": "2025-12-09T13:42:00+01:00",
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            "title": "03.12.25",
            "summary": "<p>Tagesspiegel heute: \"<span style=\"color: #ffffff;\"><a style=\"color: #ffffff;\" href=\"https://www.tagesspiegel.de/berlin/wohnungsmarkt-verkehr-schulen-fur-viele-hat-sich-das-leben-in-berlin-unter-schwarz-rot-verschlechtert-15008080.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Umfrage zeigt verheerendes Ergebnis</a></span>: Für viele Berliner hat sich das Leben unter Schwarz-Rot verschlechtert\"</p>\n<p>Wenn man keine Kohle in den Nahverkehr steckt, nix gegen Mietenwucher macht, nix in Schulen investiert, jede Kultur in dieser Stadt kaputt spart und stattdessen Politik an den Sorgen der Menschen vorbei macht, dann wird das Leben der Berliner schlechter.</p>\n<p>Ich bin komplett überrascht 🤡</p>\n",
            "content_html": "<p>Tagesspiegel heute: \"<span style=\"color: #ffffff;\"><a style=\"color: #ffffff;\" href=\"https://www.tagesspiegel.de/berlin/wohnungsmarkt-verkehr-schulen-fur-viele-hat-sich-das-leben-in-berlin-unter-schwarz-rot-verschlechtert-15008080.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Umfrage zeigt verheerendes Ergebnis</a></span>: Für viele Berliner hat sich das Leben unter Schwarz-Rot verschlechtert\"</p>\n<p>Wenn man keine Kohle in den Nahverkehr steckt, nix gegen Mietenwucher macht, nix in Schulen investiert, jede Kultur in dieser Stadt kaputt spart und stattdessen Politik an den Sorgen der Menschen vorbei macht, dann wird das Leben der Berliner schlechter.</p>\n<p>Ich bin komplett überrascht 🤡</p>\n\n<p> </p>",
            "author": {
                "name": "Piehnat"
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            "date_published": "2025-12-03T13:26:57+01:00",
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            "title": "Wo sind all die Mixtapes hin",
            "summary": "Ich erinnere mich gern an meinen AIWA Super Bass HS J470 Walkman und meine Mixtapes. Das Klick beim Aufnehmen war wie ein Herzschlag. Das war der Sound von Hoffnung und manchmal von Verzweiflung. Denn wenn der Radio Fritz Moderator mal&hellip;",
            "content_html": "<p>Ich erinnere mich gern an meinen AIWA Super Bass HS J470 Walkman und meine Mixtapes. Das Klick beim Aufnehmen war wie ein Herzschlag. Das war der Sound von Hoffnung und manchmal von Verzweiflung. Denn wenn der Radio Fritz Moderator mal wieder mitten in Biggie Smalls lyrische Meisterwerke reinquatschte, war das nicht nur nervig, das war Krieg. Es fühlte sich wie ein persönlicher Angriff auf meine kreative Vision an.</p>\n<p>Manchmal wartete ich tagelang auf genau diesen einen Track, und wenn er endlich kam, zitterte mein Finger über der Aufnahme-Taste in der Hoffnung, dass er komplett durchläuft und ich mir nicht plötzlich die nächste Staumeldung anhören muss. Heute erledigt ein Algorithmus alles für uns und behauptet frech, es wäre unser eigener Musikgeschmack. Spotify wüsste vermutlich sogar, wann ich emotional anfällig bin, um mir dann extra traurige Songs zu servieren. Zum Glück bin ich da seit einiger Zeit raus und wieder beim Sammeln von Musik auf CD und Vinyl und beim Digitalisieren für mein Navidrome gelandet. Zum Teil aus Nostalgie, aber hauptsächlich, weil ich wieder Herr über meine Musik sein will. Kein Algorithmus, keine Werbung, nur der Sound, der mich ausmacht.</p>\n<p>Mixtapes waren damals Social Media nur eben ohne Kommentare, ohne DMs und ohne diesen ganzen Cringe. Statt Herzchen oder Likes gab es ein Nicken im Schulhof, ein „Boah, wo hast du den Track her?“ oder wenn man Glück hatte ein „Kann ich das ausborgen?“ Das war unser Share-Button. Wenn dir jemand ein Mixtape schenkte, war das wie eine private Nachricht, nur mit mehr Aufwand. Und wenn das Tape zurückkam, wusste man, die Person hat sich Zeit genommen. Heute schickt man einen Link und fragt sich, ob der andere ihn überhaupt anhört.</p>\n<p>Da steckte Zeit drin, Schweiß, Liebe und manchmal auch ein bisschen Verzweiflung, weil die B-Seite unbedingt noch einen Song mehr vertragen konnte, auch wenn dafür die Hälfte vom Outro brutal abgeschnitten wurde. Wir tauschten Tapes in der Schule und taten so, als wären wir die A&amp;R-Abteilung von Def Jam und nicht nur Kids, die heimlich Radio Fritz und Jam FM mitschnitten. Wir hatten keine Ahnung, was wir da eigentlich taten, aber es fühlte sich verdammt wichtig an.</p>\n<p>Wer mich hier schon länger liest, weiß, dass Hip Hop für mich nicht nur eine Musikrichtung ist, sondern mein Leben, meine innere Einstellung. Mixtapes basteln war eine Entdeckungstour aus Rauschen und zufälligen Exklusives, die irgendein DJ nachts um zwei in die Welt rotzte. Die besten Tracks hatten immer schlechtere Qualität als alles, was heute rauskommt, aber sie hatten Seele und Bass, der so knarzig war, dass selbst die Batterien im Walkman kurz Angst bekamen.</p>\n<p>Heute machen Playlists alles kaputt. Du teilst sie mit einem Klick, der andere drückt, wenn überhaupt, einmal Like, und das war es dann schon mit der emotionalen Tiefe. Verschenkte Mixtapes bedeuteten, dass sich jemand wirklich mit dir auseinandergesetzt hat und nicht nur so tat, als würde er dir deinen Lieblingssong empfehlen, weil ein Algorithmus das gerade passend findet. Vielleicht ist es albern, aber manchmal vermisse ich dieses Gefühl, wenn man einem Menschen Musik schenkt und nicht nur einen Link per Whatsapp.</p>\n<p>Vielleicht geht es gar nicht darum, Mixtapes zurückzuholen. Vielleicht geht es darum, wieder mal auf Record zu drücken, zumindest im übertragenen Sinne. Musik wieder als das zu sehen, was sie früher war, ein Ausdruck von Persönlichkeit.</p>\n",
            "author": {
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            "date_published": "2025-12-03T12:23:13+01:00",
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            "title": "Vom Ende der endlosen Scrollerei",
            "summary": "Wir leben in einem Internet, das angeblich alles auf uns zuschneidet. Hyperpersonalisiert. Hochoptimiert. Und trotzdem fühlt es sich immer mehr an wie ein überfülltes Einkaufszentrum kurz vor Weihnachten. Überall blinkt und schreit Werbung, und die Algorithmen wollen uns dauergrinsend in&hellip;",
            "content_html": "<p>Wir leben in einem Internet, das angeblich alles auf uns zuschneidet. Hyperpersonalisiert. Hochoptimiert. Und trotzdem fühlt es sich immer mehr an wie ein überfülltes Einkaufszentrum kurz vor Weihnachten. Überall blinkt und schreit Werbung, und die Algorithmen wollen uns dauergrinsend in die nächste Daten- und Dauerkonsumfalle schubsen. Im Feed tauchen ständig Dinge auf, die angeblich zu uns passen sollen. Zum Beispiel dieses derbe geil aussehende Rezept für Weihnachtsplätzchen, das ich natürlich sofort speichere, weil ich fest davon überzeugt bin, dass ich dieses Jahr endlich diese perfekt glasierten Zimtsterne hinkriege. Und dann verschwindet das Rezept irgendwo in der digitalen Gruft zwischen den 9730 anderen Backideen, die ich natürlich nie im Leben ausprobieren werde.</p>\n<p>Wir sammeln Inhalte, die uns für drei Sekunden begeistern, bevor der nächste Trend vorbeistürmt und uns wieder in seine Richtung zerrt. Aus Aufbewahren wird Vergessen. Und wir merken nicht einmal, dass wir gut kuratiertes Wissen gegen einen endlosen Strom von Zeug getauscht haben, der uns gedanklich kaum weiterbringt als der Gang durch ein Einkaufsregal voller Neu! Jetzt noch knuspriger! Packungen.</p>\n<p>Währenddessen perfektionieren Meta, TikTok &amp; Co. ihre ganz eigene Kunstform, die Enshittifizierung des Internets. Cory Doctorow beschreibt damit, wie Plattformen, die einst innovativ und nutzerfreundlich waren, Schritt für Schritt schlechter werden, während sie gleichzeitig gieriger werden. Im kapitalistischen Wettlauf um Gewinnmaximierung wird alles verschlechtert, was Kosten spart und die Rendite steigert. Aus „Bruder, eigentlich ganz cool hier“ wird schnell das innere „Junge, was hänge ich hier eigentlich noch rum?“, obwohl die Plattformen eigentlich nur eines wollen, uns möglichst lange festhalten. Die Feeds gleichen endlosen Copy-Paste-Katalogen, immer die gleichen Trends, dieselben Sounds, dieselben Meinungen, bis man sie kaum noch erträgt. Jeder Swipe, jeder Klick ist ein kleiner Tribut an die Werbegötter. Noch eine Ad-Impression hier, ein Trackingpixel dort. Algorithmen sollen uns Freiheit suggerieren, während sie uns wie Klebefallen im Netz fangen. Vielfalt, echtes Entdecken, gemeinsames Erleben? Nur solange es sich monetarisieren lässt.</p>\n<p>Laut <a href=\"https://www.ifo.de/fakten/2025-09-09/ifo-bildungsbarometer-2025\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ifo Bildungsbarometer 2025</a> nutzen 90 % der Erwachsenen und 96 % der Jugendlichen täglich Social Media, 58 % der Erwachsenen und 78 % der Jugendlichen sogar mehr als eine Stunde. Trotz dieser hohen Nutzung würden 47 % der Erwachsenen lieber in einer Welt ohne Social Media leben. Außerdem sehen sowohl Erwachsene (77 %) als auch Jugendliche (61 %) deutliche negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen durch Social Media.</p>\n<p>Doch selbst diese hohen Nutzerzahlen täuschen nicht darüber hinweg, dass die Plattformen an Strahlkraft verlieren. Die ARD/ZDF-Medienstudie 2025 zeigt, das Wachstum stagniert, selbst bei vermeintlichen Erfolgsnetzwerken wie Instagram oder TikTok. Während X unter dem Raketenfascho massiv Nutzer verliert, wächst bei den anderen die Tagesreichweite kaum noch. Ein Zeichen, dass aus der anfänglichen Begeisterung längst eine müde Routine geworden ist.</p>\n<p>Deshalb suchen immer mehr Menschen Orte im Netz, die sich nicht wie Shopping-Tempel anfühlen. Orte, die man nicht scrollt, sondern pflegt. Digitale Gärten. Gemeint sind damit sind persönliche Websites und Blogs, die wachsen dürfen wie ein echter Garten. Nicht perfekt, nicht linear, sondern mit verwilderten Ecken, Experimenten, unfertigen Ideen und ein paar Blumen, die einfach da sind, weil man sie schön findet. Kein SEO-Druck, kein Gefällt mir-Zirkus, kein Publiziere täglich, sonst stirbt deine Reichweite. Nur Gedanken, die reifen dürfen. Projekte, die einfach existieren. Rezepte, die man wiederfindet, wenn man sie wirklich backen will.</p>\n<p>Der Begriff Garten ist dabei keine hipsterige Deko-Metapher. Er geht zurück ins Jahr 1998, als Mark Bernstein von <a href=\"https://www.eastgate.com/garden/Enter.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hypertext Gardens</a> schrieb. Wissen, das sich vernetzt, statt in linearen Feeds unterzugehen. Mike Caulfield hat das Konzept später weiter ausgebaut, als Gegenentwurf zu einer Internetwirtschaft, die ständig beschleunigt und vereinfacht, bis nichts Bedeutungsvolles mehr übrig bleibt. Und Byung-Chul Han erinnerte mich in Lob der Erde daran, dass Wachstum Zeit braucht und dass wir diese Zeit nicht nur beim echten Basilikum auf der Fensterbank vergessen haben, sondern auch im Kopf.</p>\n<p>Ein digitaler Garten kann alles sein. Eine kleine Notizsammlung, die öffentlich sprießt oder still im Hintergrund gedeiht. Ein Ort für Basteleien, für Backrezepte mit viel zu viel Zimt, für Retro-Gaming-Funde, für Ideen, die irgendwann groß werden oder auch nicht. Man pflegt ihn, man jätet hier und da, und man sieht zu, wie das eigene Denken Spuren hinterlässt. Langsam. Bewusst. Und erstaunlich befreiend.</p>\n<p>Natürlich ist das alles keine Wunderlösung. Die großen Plattformen hören nicht einfach auf, uns zu manipulieren, nur weil wir uns plötzlich an CMS und eigene Domains erinnern. Die Aufmerksamkeitsökonomie läuft weiter, und wir müssen weiterhin Druck machen. Für transparente Algorithmen, bessere Datenschutzregeln und ein Internet, das seinen Nutzern gehört, nicht den Werbekunden. Aber wir können zumindest anfangen, uns kleine Oasen zurückzuholen.</p>\n<p>Das Fediverse liefert den Community-Teil dazu. Orte wie Mastodon, Pixelfed oder Peertube, die ohne zentralen Konzern im Nacken funktionieren. Und digitale Gärten sind das ruhige Gegenstück. Unser eigenes Stück Land im Netz, in dem wir bestimmen, was wichtig ist. Nicht TikTok. Nicht Meta. Nicht irgendein Ranking. Wir.</p>\n<p>Also Schluss mit dem endlosen Scrollen. Pack die Schaufel aus, pflanz ein paar Gedanken ein und wenn du damit fertig bist, back mir Zimtsterne und schick sie mir!</p>\n",
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            "title": "01.12.25",
            "summary": "<p>Heute einen NBA-Puzzle-Adventskalender von meiner besseren Hälfte bekommen. Ihr ist bewusst, dass ich bei solchen Aufgaben innerlich ragequit gehe, weil Geduld und ich... oha. Und am Ende zeigen mir diese kleinen Tests dann doch, dass mehr Geduld in mir steckt, als ich eigentlich glaube. Danke ❤️.</p>\n<figure class=\"aligncenter size-large wp-image-1339\"><img loading=\"lazy\"  src=\"https://Piehnat.de/media/posts/122/nba-weihnachtskalender-1-1024x768.jpg\" alt=\"Ein NBA Puzzle-Weihnachtskalender\" width=\"1024\" height=\"768\" sizes=\"(min-width: 760px) 660px, calc(93.18vw - 30px)\" srcset=\"https://Piehnat.de/media/posts/122/responsive/nba-weihnachtskalender-1-1024x768-xs.webp 320w ,https://Piehnat.de/media/posts/122/responsive/nba-weihnachtskalender-1-1024x768-sm.webp 480w ,https://Piehnat.de/media/posts/122/responsive/nba-weihnachtskalender-1-1024x768-md.webp 768w ,https://Piehnat.de/media/posts/122/responsive/nba-weihnachtskalender-1-1024x768-xl.webp 1024w\"></figure>\n",
            "content_html": "<p>Heute einen NBA-Puzzle-Adventskalender von meiner besseren Hälfte bekommen. Ihr ist bewusst, dass ich bei solchen Aufgaben innerlich ragequit gehe, weil Geduld und ich... oha. Und am Ende zeigen mir diese kleinen Tests dann doch, dass mehr Geduld in mir steckt, als ich eigentlich glaube. Danke ❤️.</p>\n<figure class=\"aligncenter size-large wp-image-1339\"><img loading=\"lazy\"  src=\"https://Piehnat.de/media/posts/122/nba-weihnachtskalender-1-1024x768.jpg\" alt=\"Ein NBA Puzzle-Weihnachtskalender\" width=\"1024\" height=\"768\" sizes=\"(min-width: 760px) 660px, calc(93.18vw - 30px)\" srcset=\"https://Piehnat.de/media/posts/122/responsive/nba-weihnachtskalender-1-1024x768-xs.webp 320w ,https://Piehnat.de/media/posts/122/responsive/nba-weihnachtskalender-1-1024x768-sm.webp 480w ,https://Piehnat.de/media/posts/122/responsive/nba-weihnachtskalender-1-1024x768-md.webp 768w ,https://Piehnat.de/media/posts/122/responsive/nba-weihnachtskalender-1-1024x768-xl.webp 1024w\"></figure>\n\n<p> </p>",
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            "title": "Das Nokia 1100 und der African SIM-Trick",
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            "content_html": "<p data-start=\"210\" data-end=\"1068\">Manchmal verändert Technik die Welt nicht durch Glitzer und AMOLED, sondern durch pure Zuverlässigkeit und eine Taschenlampe, die heller als Stromnetzversprechen strahlt. Das Nokia 1100 kam 2003 als schlichtes Gerät mit GSM-Unterstützung. Es bot ein monochromes Display mit 96 mal 65 Pixeln, das so wenig Energie verbrauchte, dass der BL-5C-Akku mit 850 Milliamperestunden bis zu 400 Stunden Standby schaffte und etwa 2 bis 4 Stunden Sprechzeit. Der Vibrationsmotor war so kräftig, dass das Gerät fast vom Tisch wanderte, wenn man eine SMS bekam. Dazu bot es ein Gehäuse mit Antirutschgummi und einer Bauweise, die Stürze, Staub und Spritzwasser einfach ignorierte, weil es keine empfindlichen Komponenten gab, die kaputtgehen konnten. Weltweit wurden über 250 Millionen Stück verkauft, was das Nokia 1100 zum <a href=\"https://www.guinnessworldrecords.de/world-records/106742-biggest-selling-mobile-phone?utm_source=chatgpt.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">meistverkauften Handy der Geschichte</a> machte.</p>\n<p data-start=\"1070\" data-end=\"2183\">Das 1100 hatte keine Kamera, kein Bluetooth, keinen Speicher für Musik oder Apps, und trotzdem war es ein Werkzeug für Kommunikation mit SMS und Anrufen. Genau deshalb war es in Ländern wie Nigeria und Kenia so wichtig, weil Mobilfunk dort eine existenzielle Infrastruktur wurde. SIM-Karten waren teuer, und Verträge waren oft an bestimmte Netze gebunden, also suchte man auf Märkten wie dem Computer Village in Lagos oder am Moi Avenue Markt in Nairobi nach Wegen, ein gesperrtes Telefon zu entsperren. Das nannte man inoffiziell African SIM Trick, da der Begriff beschrieb, was passierte. Techniker schlossen das Gerät über Pop-Port oder F-Bus-Stecker an einen PC an und verwendeten Flash-Tools wie Nokia Phoenix oder JAF und manchmal billige Dongles aus China. Die Firmware konnte komplett überschrieben werden, indem die Flash-Speicherbausteine neu beschrieben wurden. So entfernte man die SIM-Sperre und manchmal sogar Netzanpassungen, die das Signal drosselten. Wer sich auskannte, konnte sogar eigene Produktcodes einspielen und Optionen wie Menüsprachen hinzufügen, die vorher überhaupt nicht vorhanden waren.</p>\n<p data-start=\"2185\" data-end=\"2799\">Das Zusammenspiel aus wechselbarem Akku, konfigurierbarer Firmware und einfacher Hardware führte dazu, dass das Gerät nicht nur genutzt, sondern auch permanent repariert wurde. Ersatzteile gab es an jedem Marktstand. Keypads, Displays, Lautsprecher, Antennenabdeckungen, Akkus, Ladebuchsen... alles konnte ohne Spezialwerkzeug gewechselt werden. Das 1100 war damit ein ökonomisches Wundergerät, weil es lange am Leben blieb, und der informelle Reparatursektor damit eine funktionierende Kreislaufwirtschaft bereitstellte, bevor europäische Politiker überhaupt wussten, wie man das Wort kreislauffähig buchstabiert.</p>\n<p data-start=\"2801\" data-end=\"3415\">Ein weiterer Teil seines Mythos stammt aus den Geschichten, die bis heute überlebt haben. In Kenia erzählt man, dass das 1100 im Sand vergraben wurde, ein Jahr später ausgegraben und einfach wieder startet, nachdem der Akku kurz über einem Holzofen erwärmt wurde. Es gibt Berichte über Geräte, die ins Wasser fielen, anschließend getrocknet wurden und weiterliefen, als seien sie amphibisch geboren. Auch soll es als Mitgift auf Hochzeiten gesehen wurden sein, ein Zeichen für den Wert, den die Menschen in diesem kleinen, robusten Gerät sahen. Viele dieser Erzählungen sind mindestens übertrieben, aber sie zeigen, wie sehr die Menschen sich auf dieses Stück Technik verließen, weil es ihnen selten Anlass gab, daran zu zweifeln.</p>\n<p data-start=\"236\" data-end=\"1440\">Dann tauchte irgendwann das Gerücht auf, dass speziell in Bochum produzierte Modelle eine Sicherheitslücke gehabt haben sollen, mit der man SMS abfangen konnte. Berichten zufolge ließ sich die Firmware so manipulieren, dass theoretisch ein SMS-Routing eingerichtet werden konnte und Nachrichten, die eigentlich für andere Nummern bestimmt waren, auf dem manipulierten 1100 ankamen. Sicherheitsfirmen und Medien berichteten, dass manche Kriminelle bereit gewesen sein sollen, bis zu <a href=\"https://www.pcworld.com/article/528584/criminals_pay_for_hackable_nokia_phone.html?utm_source=chatgpt.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">25000 Euro für ein solches Gerät</a> zu zahlen. Das Verfahren war jedoch extrem fehleranfällig, ließ sich nur eingeschränkt reproduzieren, und unabhängige Studien, die die Lücke systematisch bestätigen, existieren nicht. Die meisten Geräte waren ohnehin nicht betroffen. Die Vorstellung, dass ausgerechnet das minimalistischste aller Handys zu James Bond mutiert, passt perfekt in die Legendenbildung. Ob das jemals in größerem Umfang real war, weiß wohl kaum jemand, und Nokia selbst äußerte sich nie konkret dazu und verkroch sich eher hinter dem Gummigehäuse.</p>\n<p data-start=\"3835\" data-end=\"4427\">Überall, wo das 1100 auftauchte, wurde es zum Stück technischer Unabhängigkeit, das es Menschen erlaubte, zu kommunizieren, ohne sich in ein teures System fügen zu müssen. Und genau dort, in Nigeria, wurde 2005 auch Nokias 1-Milliardenstes verkauftes Gerät überreicht, natürlich ein Nokia 1100, was symbolisch zeigt, wie bedeutend dieses Modell für den afrikanischen Markt war. Die Taschenlampe wurde zur Straßenlaterne, die SMS zur Zeitung und die Reparatur zur Community-Aufgabe. Manche verteilen heute noch ihre alten 1100 an Verwandte und hoffen, dass der Akku noch immer nicht in Rente geht.</p>\n<p data-start=\"4429\" data-end=\"5091\">Wenn man sich anschaut, wie Smartphones heute oft schon nach Monaten den Geist aufgeben und Displays zersplittern, sobald man sie nur schief anschaut, dann bekommt das Nokia 1100 einen fast rebellischen Charakter. Es erinnert daran, dass Technologie nicht kompliziert sein muss, um ein Gamechanger zu sein. Manchmal reicht ein kleines graues Display, ein kräftiger Vibrationsmotor, ein Akku, der nie leer wird, und Menschen, die wissen, wie man ein Gerät flasht, wenn ein Netzbetreiber nervt. Das Nokia 1100 machte Mobilfunk für alle zugänglich und funktionierte dabei erstaunlich zuverlässig, auch wenn es aussah wie ein Stück Kaugummi mit Knöpfen.</p>\n\n\n",
            "author": {
                "name": "Piehnat"
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